Laut dem Plan soll Geld für Opfer aus einer "Stiftung Opferschutz" kommen, aus der sowohl Therapiekosten als auch Schmerzensgeld- und Schadensersatzzahlungen finanziert werden. Eine generelle Pflicht, mutmaßliche Missbrauchstäter anzuzeigen, sieht der Maßnahmenkatalog nicht vor.
An dem Treffen zwischen Schönborn und dem Papst haben sich am Montag auch der vatikanische Staatssekretär Tarcisio Bertone und dessen Vorgänger Angelo Sodano beteiligt. Laut einer nach dem Treffen veröffentlichten vatikanischen Presseaussendung drückte Schönborn sein Bedauern wegen der verzerrten Interpretation aus, die die Medien von einigen seiner Aussagen über Sodano gegeben hätten.
Zeitungen hatten im April berichtet, dass Schönborn Sodano im Rahmen eines "informellen Treffens" mit österreichischen Medienvertretern vorgeworfen habe, während seiner Amtszeit die Ermittlungen gegen den früheren Wiener Erzbischof Kardinal Hans Hermann Groer behindert zu haben. Sodano war von 1991 bis 2006 Kardinalstaatssekretär. In der Presseaussendung erklärte der Vatikan, dass in der Kirche ausschließlich der Papst für Vorwürfe zuständig sei, die gegen einen Kardinal erhoben werden.
Der Vatikan verteidigte Kardinal Sodano auch wegen seiner Predigt bei der letzten Ostermesse, in der er sich ausdrücklich hinter den Papst gestellt hatte, der wegen des Missbrauchsskandals mehrfach persönlich angegriffen worden ist. "Das Volk Gottes wird auf Geplapper nicht hören", hatte Sodano bekräftigt. Der Ausdruck "Geplapper" in Bezug auf die Missbrauchsvorwürfe hatte für helle Empörung gesorgt. "Das Wort 'Geplapper' ist als Respektlosigkeit gegenüber den Missbrauchsopfern missverstanden worden, für die Kardinal Sodano aber dieselben Gefühle des Mitleids empfindet, die der Papst bereits mehrmals ausgedruckt hat", hieß es in der Presseaussendung.