"Ich habe massive Unterstellungen durch meine Erklärung zurückgewiesen. Ich selber habe nie den geringsten Anlass geboten, mich in die Nähe des Nationalsozialismus zu rücken", lässt Rosenkranz im Interview mit der APA weiterhin Kritik nicht gelten, sie befinde sich in der Nähe rechtsextremen Gedankenguts. Lücken im Schulsystem in der zeitgeschichtlichen Aufklärung sieht sie derzeit keine: "Ich denke, dass gerade in Österreichs Schulen die Aufklärung zur Geschichte nicht vernachlässigt wird."
Weiterhin fühlt sich Rosenkranz an die Turbulenzen im Wahlkampf rund um den ehemaligen und mittlerweile verstorbenen Bundespräsidenten Kurt Waldheim erinnert. "Ohne mich mit ihm vergleichen zu wollen, die Parallele besteht wohl darin, dass eine Person, die gut bekannt ist, plötzlich aus Anlass einer Kandidatur dermaßen diffamiert wird, dass man sich eigentlich wundern kann." Aber auch in diesem Fall würde der Großteil der Leute "zwischen einer Kampagne und der Realität unterscheiden können", hofft sie.
Ihre Familie will Rosenkranz aus dem Wahlkampf zur Gänze heraushalten, insbesondere aufgrund hämischer Töne über ihre zehn Kinder: "Mein Amtsverständnis ist nicht das, dass eine Familie kandidiert. Ich kandidiere als Persönlichkeit für dieses Amt. Wir leben in einer Republik, es braucht keine 'First Family'."
Was Rosenkranz von bürgerlicher Seite hin und wieder zur Last gelegt wird, ist ihr Kirchenaustritt. "Ich trete dafür ein, dass die christlich- abendländische Prägung Europas erhalten bleibt. Ich schätze jeden Menschen, der in einer Religion aktiv lebt. Ich selber habe mich aber anders entschieden, das ist eine sehr persönliche Entscheidung gewesen." Dass Kardinal Christoph Schönborn die Freiheitliche als für ihn nicht wählbar bezeichnet hatte, versteht Rosenkranz nicht. Es sei "eine ganz unübliche Vorgangsweise, dass sich ein Priester in die Politik einmischt und es wäre besser gewesen, er hätte die Trennung von Kirche und Staat auch in diesem Fall strikt beachtet".
Nach wie vor sieht sich Rosenkranz als bürgerliche Alternative zu Bundespräsident Heinz Fischer, auch wenn die Wahlempfehlungen aus der ÖVP auf sich warten lassen. Sie begründet dies mit ihrem "deutlichen Bekenntnis zur Familie mit Kindern", das "bedauerlicherweise keine parteiübergreifende Position" sei.
Vorrangiges Motiv, gegen Amtsinhaber Fischer anzutreten, ist für sie der Umstand, dass die Wähler eine Alternative zum "linken" Heinz Fischer wollen, "also jemanden, der nicht links steht, sondern in der politischen Mitte". Es gebe nämlich viele Menschen, die "mit dem Weltbild Fischers, das von Nordkorea bis Kuba reicht, nichts anfangen können". Darüber hinaus habe sie im langjährigen Kontakt mit der Bevölkerung Sorgen und Nöte der Menschen miterlebt. Das sei mehr, als "an ein paar Feiertagen die Hofburg zu öffnen, um Tausende Hände zu schütteln, sonst aber zu wichtigen Fragen zu schweigen".
Ein weiteres Hauptthema im Wahlkampf ist für Rosenkranz der Kampf gegen die Armut - ein Bundespräsident könne nicht dazu schweigen, wenn der eigenen Bevölkerung drastische Steuererhöhungen zugemutet werden und gleichzeitig Milliarden an Banken und das finanzmarode Griechenland fließen.
Zudem würde Rosenkranz von der Hofburg aus eine Sicherheitsdiskussion aktiv anregen. Denn seit der Öffnung der Schengen- Grenzen sei die Kriminalität stark angestiegen. Und auch in so wichtige Weichenstellungen wie den Lissabon- Vertrag hätte ihrer Meinung nach der Bundespräsident eingreifen und eine Volksabstimmung forcieren müssen.
Schade findet die niederösterreichische Landesrätin, dass die ÖVP ihren kurzfristigen Favoriten für das Amt, den dortigen Landeshauptmann, doch nicht ins Rennen geschickt hat: "Erwin Pröll wäre natürlich ein sehr beeindruckender Kandidat gewesen."