"Krone": Mit welchen Argumenten wollen Sie jemanden, der Sie 2005 nicht gewählt hat, überzeugen, diesmal für Sie zu stimmen?
Franz Voves: Ich glaube, dass unter meiner Führung viel weitergegangen ist im Land - obwohl die ÖVP sich das Ziel gesetzt hat, meine Arbeit schlechtzureden. Tatsächlich konnten wir Milliarden an Investitionen ins Land holen; wir haben drei der fünf größten Forschungszentren, bei der Neuen Mittelschule sind wir Vorreiter, Regionext funktioniert und auch in der Krisenzeit haben wir gute Arbeit geleistet.
"Krone": Was motiviert Sie, es noch einmal zu probieren?
Voves: Das ist die Leidenschaft, die Gesellschaft mitgestalten zu können. Dann ist man auch bereit, Angriffe wegzustecken. Ich möchte gewinnen, weil ich erstmals als Titelverteidiger antrete; ich bin halt Sportler! Ich würde gerne noch einmal Landeshauptmann sein!
"Krone": Sollten Sie doch nicht Erster werden - was machen Sie danach? Oder gibt's (wenn's nur um ein paar Stimmen geht) eine Option zum Weitermachen?
Voves: Schauen Sie, ich war jetzt Erster, war neun Jahre in der Regierung und werde nach der Wahl 58 Jahre. Ich habe ein ganz klares Wahlziel, und das lautet, dass die SPÖ wieder stimmenstärkste Partei wird. Das heißt, bei Platz zwei, da bin ich weg und mach Jüngeren Platz.
"Krone": Präzisieren Sie bitte Ihren Plan einer Vermögensbesteuerung: Ihnen schweben 500.000 Euro vor, Ihrem Parteichef Faymann eine Million!
Voves: Erst einmal bin ich glücklich, dass sich die SPÖ nach eineinhalb Jahren der Diskussion positioniert hat. Es war richtig, das Thema Steuergerechtigkeit aufs Tapet zu bringen - für mich war aber immer klar, dass nie Häuslbauer und Menschen mit mittleren Einkommen draufzahlen dürfen. Mir persönlich wären 500.000 Euro lieber, aber als Demokrat habe ich kein Problem damit, wenn unsere Steuergruppe auf eine Million Euro kommt!
"Krone": Nach der Wahl muss gespart werden. Müssen auch Spitäler geschlossen werden?
Voves: Nein! Das war nie beabsichtigt, und ich weiß nicht, was den Herrn Schieder (Anm.: Finanzstaatssekretär) da geritten hat. Ich bin der Meinung, dass sich Kleinspitäler spezialisieren, höherwertige Operationen aber Schwerpunktspitäler durchführen sollten. Eine Vollchirurgie in Aussee war sicher keine gute Lösung!
"Krone": Auf welche Leistungen in den vergangenen fünf Jahren sind Sie besonders stolz?
Voves: Es macht mich sehr stolz, dass es uns gelungen ist, das wichtigste Infrastrukturprojekt in den Süden zu holen. Jetzt gibt's die Koralmbahn und logischerweise, weil es betriebswirtschaftlich sonst nicht sinnvoll wäre, auch den Semmering-Basistunnel. Das sichert unseren Wirtschaftsstandort. Stolz machen mich aber auch noch die S-Bahn und das Regionext-Programm!
"Krone": Und was ist nicht gelungen?
Voves: Dass wir den Proporz nicht abgeschafft haben - weil das ein Bild für die Öffentlichkeit ergibt, das unzumutbar geworden ist. Also ein Wahlsystem, wo jemand in der Regierung Opposition machen kann. Das Zweite ist die Steiermark-Holding, an der ich noch immer festhalte, weil sie ja überhaupt nichts mit Re-Verstaatlichung zu tun hat.
"Krone": Aus Ihrer Partei hört man oft: Der Franz wird's schon richten! Fühlen Sie sich manchmal allein gelassen?
Voves: Ich habe in den letzten zwei bis drei Monaten festgestellt, dass die Mobilisierung wie bei der Wahl 2005 funktioniert. Es freut mich, dass sich die Stimmung gedreht hat! Natürlich stellt man mich dann in den Vordergrund. Das hat aber auch den Grund, dass ich immer versucht habe, Landeshauptmann aller Steirerinnen und Steirer zu sein. Nur als Einzelperson kann man trotzdem keine Wahlen gewinnen.
"Krone": Was sagen Sie einem Arbeiter, der verbissen, aber vergeblich einen Job sucht?
Voves: Ich versuche mich um jeden Einzelnen, der auf mich zukommt, zu kümmern. Wir haben 14 Programme nur für junge Arbeitslose, egal ob über das AMS oder das bfi, irgendwas können wir tun. Und: Ich lasse keinen nur mit einem Stehsatz auf der Straße stehen.
"Krone": Mindestsicherung: 12- oder 14-mal?
Voves: Es wird letztlich 12-mal sein, darauf wird man sich in einer der ersten Landtagssitzungen nach der Wahl einigen. Und was den Mindestlohn betrifft, sollten wir uns in Richtung 1.300 Euro bewegen. Da bin ich mir einig mit meinem Stellvertreter Hermann Schützenhöfer.
"Krone": Anfang des Jahres haben Sie mit dem Hinweis, "die Lage sei zu ernst", ausgeschlossen, mit der Gitarre wahlzukämpfen. Warum tun Sie's trotzdem?
Voves: Was würden Sie tun, wenn Sie von der Bevölkerung immer wieder aufgefordert würden zu spielen? Aber ich mache es nur dort, wo es passt - und das war nicht bei jedem Auftritt.
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