Caritas mahnt: "Endlich was gegen Welthunger tun"

31.05.2012, 12:43
Caritas mahnt: "Endlich was gegen Welthunger tun" (Bild: AP)
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Fast eine Milliarde Menschen hungert. Täglich sterben rund 7.000 Kinder an den Folgen von Unterernährung. Trauriger "Hotspot" ist nach wie vor Afrika, wo aktuell in der Sahelzone mehr als 18 Millionen Menschen aufgrund von Dürre und Nahrungsmangel vom Tod bedroht sind. Im Vorfeld der am Freitag beginnenden internationalen Hunger- Konferenz in Wien fordert Caritas- Präsident Franz Küberl: "Wir müssen endlich vom Reden zum herzhaften und tatkräftigen Tun kommen."

"Zukunft ohne Hunger" ist der Titel bzw. das Motto der Konferenz, an dem namhafte Experten aus 20 Ländern teilnehmen werden. Angekündigt war auch der ehemalige UN- Generalsekretär Kofi Annan, der jedoch kurzfristig absagen musste. Bis zu 700 Gäste werden erwartet.

Zwei Drittel der Hungernden in nur sieben Ländern

Laut der UN- Ernährungsorganisation FAO  leben 578 Millionen Menschen, die nicht genug zu essen haben, in Asien, 239 Millionen in Afrika, 53 Millionen in Lateinamerika, 37 Millionen im Nahen Osten bzw. Nordafrika und 19 Millionen in den übrigen Regionen der Welt. Zwei Drittel der Hungernden leben in lediglich sieben Ländern: Bangladesch, China, Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Indien, Indonesien und Pakistan. Darüber hinaus haben 884 Millionen Menschen keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Hungerkatastrophen werden oftmals von Menschen verursacht: Geringe landwirtschaftliche Erträge durch veraltete Anbaumethoden und unzureichende Lagerung, hohe Getreidepreise, instabile Regierungen, bewaffnete Konflikte, Monokulturen, Benachteiligung von Frauen, Klimawandel, globaler Agrarhandel und Landraub sorgen in Regionen, wo ohnehin latenter Nahrungsmangel herrscht, für eine zusätzliche Verschärfung der Situation.

"Haben erstmals die Chance, Hunger zu beseitigen"

"Erstmals in der Menschheitsgeschichte haben wir die Chance, absolute Armut und Hunger zu beseitigen. Es braucht einen nationalen und internationalen Schulterschluss gegen den Hunger und für nachhaltige Ernährungssicherheit, damit sich substanziell etwas an der Lage der betroffenen Menschen ändert", sagt Küberl.

Kritik übte der Caritas- Präsident an der Bundesregierung: "Es wurden 1,5 Millionen Euro für die Menschen in der Sahelzone zugesichert, das war ein guter Schritt. Erst auf akute Katastrophen zu reagieren, ist jedoch zu wenig. Ich fordere die österreichische Bundesregierung auf, die Kürzungen bei der Entwicklungszusammenarbeit zurückzunehmen."

Nur Griechenland und Spanien kürzten mehr als Österreich

Die aktuellen Zahlen der OECD bestätigen Küberl. Laut dem Bericht hat Österreich 2011 0,27 Prozent des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungshilfe ausgegeben, was einem Rückgang von 14,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. Mehr gekürzt haben nur Griechenland (minus 39,3 Prozent) und Spanien (minus 32,7 Prozent).

Seit 1990 konnte laut UNDP der weltweite Hunger in den Entwicklungsländern um lediglich ein Fünftel reduziert werden. Damit bleiben bis 2015 nur noch gut zweieinhalb Jahre, um das UN- Millenniumsziel, die Halbierung des weltweiten Hungers, zu erreichen.

Namhafte Redner bei Konferenz in Wien

Bei der Caritas- Hungerkonferenz werden nun unter anderem Kristalina Georgieva (EU- Kommissarin für Internationale Zusammenarbeit, humanitäre Hilfe und Krisenbewältigung), Mohan Munasinghe (als Vizevorsitzender des Weltklimarates der Vereinten Nationen Träger des Friedensnobelpreises 2007), Tesfai Tecle (ehemaliger Vizegeneraldirektor der FAO) sowie Kardinal Oscar Rodriguez Maradiaga (Präsident der Caritas Internationalis) zu Wort kommen.

Im Rahmenprogramm gibt es einen Gedenkgottesdienst im Stephansdom (Freitag, 18 Uhr) und ein Benefizkonzert im Museumsquartier (Freitag, 19 Uhr). Ebenfalls am Freitag, ab 19.15 Uhr, wird die Kirche Am Hof zur Caritas- Kirche mit Hungerschwerpunkt. Zur Stärkung wird ab 22.30 Uhr ein afrikanischer Eintopf vom Canisibus serviert. Am Samstag findet um 16.30 Uhr bei der Pestsäule am Graben eine Abschlusskundgebung der Caritas statt.

AG/red
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