Anarcho-Girlies

Gemma Arterton und “Die Girls von St. Trinian”

Kino
17.09.2008 10:43
Sie geht mit 007 Daniel Craig auf Tuchfühlung und spielt in "Die Girls von St. Trinian" den Trotzkopf im Mädcheninternat - Gemma Arterton, 22-jährige englische Wildrose aus der Grafschaft Kent, begeistert auf allen Linien. Während sie in "Quantum of Solace" eine straighte MI5-Agentin gibt, wurde sie für die von britischem Humor durchzogene Komödie rund um die marode Mädchenschule "St. Trinian" zu einer frechen und scharfen Internatsgöre, die sich gar zu einem Kunstraub anstiften lässt, um mit ihren ebenso heißen Freundinnen zu verhindern, dass ihr "Hogwarts für Schlampen" geschlossen wird.

Lackschwarzer Bubikopf, die Stirnfransen wie übers Lineal geföhnt, kirschroter Kussmund, der Blick trotzig. Gemma Arterton stammt aus der Grafschaft Kent, und sie hat den rosig-zarten Teint englischer Landschönheiten. Dass sie als Bond-Girl den Sprung ins 007-Universum schaffen würde, hätte sie sich nie träumen lassen. In „Quantum of Solace“ wird sie sich als kesse MI6-Agentin Fields an den schärfsten Agenten Ihrer Majestät schmiegen. Gemmas Lieblings-Bond-Gespielin ist immer noch Ursula Andress, die als aufregendes Strandgut Honey Ryder Sean Connery zu becircen wusste.

Daniel Craig punktet bei der jungen Miss gleich in mehrerlei Hinsicht. Gemma Arterton: „Daniel war schon vor seiner steilen Bond-Karriere ein etablierter Schauspieler. Und er ist Engländer. Ich liebe englische Männer! Sie stapfen an regenverhangenen Tagen mundfaul in abgewetzten Tweedjacketts durchs Moor, um sich abends dann – am offenen Kamin – von ihrer charmant-witzigen Seite zu zeigen. Und sie verstecken sich gern in Bibliotheken! Der Duft von altem, vergilbtem Papier plus einem guten Aftershave ist einfach unwiderstehlich.“

Zurück zu Daniel Craig und seinem gletscherblauen Blick. Augen, die verwirren? Gemma Arterton: „Na ja, ich steh ja mehr auf samtbraune Blicke, aber Craigs Nackenmuskeln sollten Sie mal fühlen: stahlhart wie eine Safetür in der Bank of England!“ Ah ja, Testosteron plus Eloquenz, nebst einem Quäntchen Selbstironie (ich sage nur: britische Nationalelf!), machen also Charisma und Verführungskraft englischer Alpha-Wölfe aus, von denen man sich nur zu gerne anfallen lässt.

Mehr zum 22. James-Bond-Abenteuer findest du in der Infobox!

Big Ben, Teegebäck und Hardcore-Exzentriker
Bleiben wir doch auf der Insel. Zum Understatement des Königreiches gehören Internate, good old Big Ben, Teegebäck und Hardcore-Exzentriker. In „St. Trinian’s – Die Girls von St. Trinian“ (Regie: Oliver Parker, Barnaby Thompson), einer von britischem Humor durchzogenen Komödie rund um ein marodes Mädchenpensionat und seine rebellischen Schülerinnen, spielt die 22-jährige Gemma Arterton, die vorher vor allem auf Theaterbühnen stand, ein freches Gör, das sich gar zu einem Kunstraub in Londons National Gallery anstiften lässt.

In St. Trinian gelten andere Regeln: Happy Hour statt Five o’Clock Tea. Und im Chemielabor blubbert eine Schnapsbrennerei. Kein Ort für brave Töchter. Böse Zungen sprechen sogar von einem „Hogwarts für Schlampen“. Kein Wunder, dass der besorgte Bildungsminister, Geoffrey Thwaites (herrlich spießig: Colin Firth), den ohnehin in den roten Zahlen steckenden Schandfleck schließen lassen will. Doch er hat nicht mit den verwegenen „Sanierungsmethoden“ der schrägen Direktorin Miss Fritton (Rupert Everett als eine Art kettenrauchende Travestie-Version von Camilla Parker Bowles!) und ihren furchtlosen Anarcho-Girlies gerechnet. Der raffinierte Raub  eines Vermeer-Gemäldes ist nur ein verrückter Schachzug der Mädchen, um St. Trinian vor dem Ruin zu bewahren...

Ein Fest für Anglophile
Übrigens: Der hippe Cartoon „St. Trinian’s“ aus den 50er-Jahren ist in England längst Kult. Das schrille Teeniespektakel ist also ein Fest für Anglophile. Gemma  Arterton: „Internatsfreundschaften halten in der Regel ein Leben lang. Wenn man so viel miteinander ausheckt, schweißt das einfach zusammen!“ Mädchen an die Macht: ein starkes Thema, witzig aufbereitet. Schulmädchen-Sex war gestern. Die Girls von St. Trinian wissen, was sie wollen!

Und Gemma? Wie weit geht das englische Bond-Girl für eine Traumrolle? Die 22-Jährige: „Wenn ich sie unbedingt will, tue ich dafür fast alles! Und dieses ,Fast‘ muss dann reichen!“

Von Christina Krisch, Kronen Zeitung

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