'Hexa'-Traum geplatzt

Brasilien unter Schock, Niederlande feiern ausgelassen

Nach dem Viertelfinal-Aus der "Seleção" bei der WM durch die 1:2-Niederlage gegen die Niederlande befindet sich Brasilien im Schockzustand. Millionen Fans, Männer wie Frauen, weinten nach der Niederlage hemmungslos. "Ich kann es nicht glauben", stotterte eine Anhängerin, die das Spiel mit ihren Freundinnen in einer völlig überfüllten Bäckerei in Sao Paulo verfolgt hatte. In den Niederlanden herrschte hingegen "Alarmstufe Orange" - die Freude kannte keine Grenzen.

An der Copacabana in Rio hatten sich fast 20.000 Menschen vor einer riesigen Leinwand versammelt, um den Einzug der "Seleção" ins Halbfinale zu feiern. Fast 50.000 Fans waren vor dem Gelände. 

São Paulo wie ausgestorben
Auch in São Paulo hatten sich Zehntausende in froher Erwartung beim "Public Viewing" versammelt. Die meisten Firmen hatten ihren Angestellten freigegeben. Vor den Kneipen, Geschäften und an Taxistände standen Menschentrauben vor im Freien aufgebauten Fernsehern, um das Spiel zu verfolgen. Die sonst völlig verstopften Straßen der 11-Millionen-Menschen-Metropole São Paulo waren während des Spiels nahezu wie ausgestorben. 

Alles fing dann auch ganz nach Plan an: Nach dem frühen Führungstor von Sunnyboy Robinho waren die Fans außer sich vor Freude. Bei jedem gelungenen Pass dröhnten die Pressluft-Tröten und Trommeln in Rio und Sao Paulo ohrenbetäubend. Die beiden Tore der Niederländer in der zweiten Halbzeit nahmen der riesigen Party aber schnell den Wind aus den Segeln. Der Traum vom "Hexa" - dem sechsten Titel bei einer Weltmeisterschaft für Brasilien - war ausgeträumt. Nach dem Abpfiff blieb das Gekrache der Böller aus. Keine Rakete stieg in den blauen Himmel. Brasilien trug Trauer.

"Diesmal waren die Niederlande der Henker"
Die Medien reagierten mit großer Enttäuschung auf das Aus. "Es bleiben weitere vier Jahre der Hoffnung, um zu Hause eine neue Erlösung zu finden", hieß es in der Online-Ausgabe von "Folha de São Paulo". "Brasilien hat das Beste und das Schlechteste gezeigt - in nur einem Spiel", meinte "Estado de São Paulo" angesichts der lange Zeit starken Leistung, die durch die beiden Gegentreffer zunichtegemacht wurde.

"O Globo" verwies darauf, dass es auch mit der neuen Dunga-Philosophie nicht besser als 2006 lief: "Bei der ganzen Vorbereitung und auch während der WM in Südafrika war die brasilianische Seleção um eine andere Philosophie als 2006 bemüht. Ironischerweise war das Ergebnis dasselbe: Besiegt von einem europäischen Team und das Aus im Viertelfinale. Anstelle von Frankreich waren die Niederlande der Henker."

Nur eines könnte den Katzenjammer jetzt noch größer machen: Wenn Erzrivale Argentinien den Titel holt und als Champion 2014 zur WM nach Brasilien kommt...

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