Auf dem Prüfstand

Wii Motion Plus im Härtetest

Spiele
08.07.2009 15:24
Endlich ist es da, das lang erwartete, weiße Wunderkästchen namens "Wii MotionPlus". Der recht unscheinbaren Optik zum Trotz soll das neue Nintendo-Zubehör dem Wii-Spieler dank präziserer Bewegungserkennung mehr Spielspaß bescheren. krone.at hat die Probe aufs Exempel gemacht und "Wii MotionPlus" beim Spielen von EAs "Grand Slam Tennis" und Segas "Virtua Tennis 2009" einem Härtetest unterzogen.

Bevor es allerdings ans Schwingen des Rackets geht, muss die Wii-Fernbedienung aufgerüstet werden. Wii MotionPlus wird zu diesem Zweck einfach am unteren Ende der Wii-Mote angesteckt – dort, wo normalerweise auch das Nunchuck befestigt wird. Das Ganze ist demnach keine Hexerei und binnen weniger Sekunden erledigt. Etwas umständlicher gestaltet sich das Anstecken bei der nun entsprechend verlängerten Gummi-Schutzhülle. Ist auch diese Arbeit getan, liegt der Controller trotz Erweiterung jedoch gewohnt komfortabel in der Hand.

Wii MotionPlus:  zuerst Pfui dann Hui
Als erster Testkandidat muss "Virtua Tennis 2009" herhalten. Das Spiel geht selbst mit der herkömmlichen Steuermethode, also ohne MotionPlus, recht gut von der Hand. Das Nunchuk kann zusätzlich angeschlossen werden, um die Bewegungen des Spielers zu steuern, was allerdings nur erfahrenen Spielern zu empfehlen ist. Die Schlagrichtung wiederum wird dadurch bestimmt, wann der Ball getroffen wird. Wird der Schwung von oben nach unten durchgeführt, folgt ein Slice oder Stoppball. Für einen Lob muss zusätzlich ein Button am Controller gedrückt werden. In der Praxis funktioniert das recht annehmbar, wenngleich der Spieler sich des Öfteren erst im letzten Moment für  die Vor- oder Rückhand entscheidet und so die eigene Schlagbewegung nicht immer passt. 

Nach Aktivierung der MotionPlus-Steuerung fällt zuerst eine nervige Änderung auf: Vor jedem Ballwechsel muss der Spieler nun erst mittels Knopfdruck bestätigen, bereit zu sein. Der Grund dafür ist nicht ersichtlich. Beim Spielen selbst macht sich zunächst kein Unterschied bemerkbar. Wer jedoch etwas enttäuscht und irritiert das Handbuch bemüht, bemerkt schnell einen nicht unwesentlichen Hinweis. Die Wii-Fernbedienung soll für optimale Resultate nämlich seitlich gekippt gehalten werden. Mit diesem Zusatzwissen ausgestattet, wird der nächste Versuch gewagt, und schon nach ein paar Ballwechseln ist klar, dass das weiße Kästchen doch etwas bringt. Die Bewegungen werden besser erkannt; für Lobs ist nun auch kein Tastendruck mehr notwendig. Leider ist allerdings auch mit Wii MotionPlus der virtuelle Spieler mitunter unschlüssig, ob er Rückhand oder Vorhand spielen soll.

Arcade-Action mit "Virtua Tennis 2009"
Trotzdem geht es hoch motiviert an den "World Tour Modus", bei dem man einen Nobody zur Nummer eins in der Profi-Liga machen muss. "Virtua Tennis 2009" will keine Simulation sein. Daher hat der Ranglistenmodus mit der Realität rein gar nichts zu tun. Die Matches sind alle recht kurz und durch die Absolvierung diverser Minispiele oder Trainingspartien können die Fähigkeiten des eigenen Spielers verbessert werden. Das Ganze ist kurzweilig und lebt vom Reiz, von der Amateurliga in die Profiliga aufzusteigen und danach die Jagd auf die Nummer eins in Angriff zu nehmen. Für eine dichtere Atmosphäre sorgen dabei die 23 lizensierten Topspieler, die aber aufgrund  der Wii-typischen Grafik ihren realen Ebenbildern nicht sehr ähnlich sehen. Ein Online-Modus ist ebenfalls vorhanden und bietet die Möglichkeit, sich mit menschlichen Gegnern auf der ganzen Welt zu messen.

Echtes Tennisfeeling mit "Grand Slam Tennis"
Der Kontrahent von EA Sports namens "Grand Slam Tennis" kontert mit 23 lizensierten Spielern sowie den Original Grand-Slam-Turnieren Australian Open, French Open, Wimbledon und US Open. Gleich zu Beginn wird man dankenswerter Weise in die Tennisschule verfrachtet, um die Steuerung zu erlernen. Wie schon bei "Virtua Tennis 2009" kann der Spieler mittels Nunchuk die Kontrolle über die Bewegungen seines virtuellen Alter Egos übernehmen. Empfehlenswert ist dies allerdings auch hier nicht, es sei denn, man hat schon alles durch und sucht eine neue, sehr herausfordernde Aufgabe.

Die Steuerung erfolgt ähnlich wie beim Konkurrenzprodukt, nur muss für einen Stoppball oder Lob jeweils ein Button gedrückt werden. Dies gilt auch für das Spielen mit der MotionPlus-Erweiterung. Der Grund dafür ist simpel: Neben Slice-Bällen darf in "Grand Slam Tennis" auch auf Top-Spin gesetzt werden. Je nachdem, ob ein Schlag gerade durchgezogen wird oder ob man von unten nach oben beziehungsweise von oben nach unten schlägt, setzt der Spieler die jeweilige Schlagvariante ein. Das funktioniert auch hier ohne Erweiterung recht gut. Ist allerdings erst einmal das Wii MotionPlus aktiviert, möchte man es nicht mehr missen. Dank dem Zusatz kann beim Schlag durch die Drehung des Handgelenks dem Ball beispielsweise noch mehr Top- oder Backspin mitgegeben werden. Ärgerlich ist nur, dass die Rückhand so oft mit einem langsamen Slice gespielt wird – was allerdings nicht die Schuld des Nintendo-Zubehörs, sondern die des Testers ist, der am realen Tennisplatz ebenfalls mit permanent unterschnitten gespielten Bällen zu kämpfen hat. 

Dennoch entwickeln sich bei "Grand Slam Tennis" rasch rasante Ballwechsel, die im Vergleich zu "Virtua Tennis  2009" der Realität eindeutig näherkommen. "Grand Slam Tennis" ist eben mehr Simulation denn Arcade-Game, was auch daran zu erkennen ist, dass wer zu viel draufpfeffert, den einen oder anderen Ball ins Out schlägt. Wie im Produkt von Sega darf ein eigener Spieler kreiert werden. Im EA-Game soll damit der Grand-Slam-Titel bei allen vier Turnieren in einer Saison erreicht werden, wobei die Fähigkeiten des eigenen Charakters mittels Upgrades nach Siegen verbessert werden dürfen. An die Party-Gemeinde wurde auch gedacht: Sitzen mehrere Spieler an der Konsole, bieten verschiedene Spiele mit abgewandelten Tennisregeln jede Menge Spielspaß. Ein Online-Modus wurde ebenfalls integriert.

Wie bei vielen Wii-Spielen üblich, setzt auch "Grand Slam Tennis" auf eine comicartige Grafik. Diese wirkt zwar einen Deut besser als jene von "Virtua Tennis 2009", eine Ähnlichkeit mit den realen Ebenbildern ist aber auch hier nur entfernt zu erkennen.

Fazit: Wii MotionPlus bringt eine klare Verbesserung  bei der Erkennung der Spielerbewegungen. Der ganz große Wurf ist es zwar nicht, aber einmal in Verwendung, möchte man es eigentlich nicht mehr missen. Bleibt zu hoffen, dass die Entwickler nun nicht mehr nur hauptsächlich auf Tennis-, Golf- und Minispiele setzen, sondern die neuen Möglichkeiten kreativ nutzen. Die beiden Tennisspiele zielen indes auf verschiedene Zielgruppen ab. Während "Virtua Tennis 2009" eindeutig in die Arcade-Richtung tendiert, setzt "Grand Slam Tennis" mehr auf Simulation. Beide spielen sich dank Wii MotionPlus ziemlich flüssig. Das EA-Game macht allerdings einen Hauch mehr Spaß, was daran liegt, dass hier mehr das Gefühl vorherrscht an einem echten Tennisspiel teilzunehmen. 

Virtua Tennis 2009
Plattform: Wii (gestestet), PS3, Xbox 360, PC
Publisher: Sega
krone.at-Wertung:  7/10 (ohne MotionPlus),  8/10 (mit MotionPlus)

Grand Slam Tennis Wii
Plattform: Wii (gestestet), PS3, Xbox 360
Publisher: EA Sports
krone.at-Wertung:  8/10 (ohne MotionPlus), 9/10 (mit MotionPlus)

von Harald Kaplan

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