Mo, 20. November 2017

krone.at-Test

26.10.2017 15:59

„Mario Odyssey“: Jump‘n‘Run-Juwel für die Switch

Ein halbes Jahr nach dem Start der neuen Nintendo-Konsole Switch gibt es nun auch das erste große Abenteuer mit Kult-Installateur Super Mario dafür. In "Super Mario Odyssey" streifen die Spieler in feinster "Mario 64"-Manier durch bunte 3D-Welten, schlüpfen mit Marios magischem Kapperl in die Haut von Gegnern und geben sich in den weitläufigen Welten zwischendurch ganz klassischen 2D-Passagen à la 1985 hin. Wie sich das spielt, hat krone.at getestet.

Es gibt nur ganz wenige Videospielfiguren, die so konstant seit Jahrzehnten die Massen begeistern wie Nintendos schnauzbärtiger Jump’n’Run-Held Super Mario. Der Installateur hat die gute alte Zeit erlebt, auf Arcade-Automaten und in 2D-Jump’n’Runs der 8-Bit-Ära. Er war aber auch Aushängeschild für den technischen Fortschritt - etwa mit Nintendos erstem 3D-Jump’n’Run "Super Mario 64". Im neuesten Teil der Saga für die daheim am TV-Gerät ebenso wie unterwegs nutzbare Switch-Konsole durchwandert Mario nun nochmal seine Evolutionsschritte in einem einzigen großen Abenteuer.

Klassische Story: Bowser entführt Prinzessin
Aber der Reihe nach, zunächst zur Handlung: Die entspricht - wenig überraschend - ganz der alten Super-Mario-Schule, erzählt die Geschichte der fiesen Riesenechse Bowser, die Marios Angebetete Prinzessin Peach mit ihrem Luftschiff entführt, um sie zu ehelichen. Die Story ist damit nicht viel anders als im 1985 erschienenen "Super Mario Bros.". Nur, dass Mario diesmal nicht im Pilzkönigreich, sondern im magischen Hutland seinem Erzfeind nachjagt und einen Mitstreiter in Gestalt des magischen Hutes Cappy hat.

Zur alten Geschichte gesellt sich neues Gameplay. "Super Mario Odyssey" hat uns im Test mit einer Fülle alter und neuer Spielmechaniken verzaubert, die Freunde der alten Mario-Titel ebenso in ihren Bann ziehen dürften wie Freunde neuerer Open-World-Kost. In den abwechslungsreichen und weitläufigen Welten von "Super Mario Odyssey" - im Spielverlauf verschlägt es Mario in Wälder, Wüsten, Ozeane, Städte und sogar eine Art Schlaraffenland - wimmelt es nur so von spielerischer Abwechslung. Große weitläufige 3D-Parcours reihen sich an Retro-Passagen in 2D-Machart, und über allem steht Marios neuestes Accessoire, das magische Kapperl Cappy.

Mario als Raketenwilli, Frosch oder T-Rex
Dieser praktische Begleiter wird von Mario auf Gegner geworfen, um in deren Haut zu schlüpfen, sie sozusagen zu übernehmen. So wird Mario zum Raketenwilli, zum Frosch, zum dehnbaren Wurm, zum Fisch mit Unterwasseratmung, zum Kugelblitz oder zum Tyrannosaurus Rex.

Das bietet viele neue Möglichkeiten: Unüberwindbare Abgründe werden kurzerhand als Raketenwilli überflogen, versperrte Durchgänge tritt der T-Rex ein. Und wenn Mario in einer Unterwasserwelt ganz am Grund nach einem Mond - sie sind die wichtigste Währung in "Super Mario Odyssey" - taucht, tut er gut daran, es als nicht mit Sauerstoffknappheit kämpfender Fisch zu tun. In gewisser Weise ist das magische Kapperl die Weiterentwicklung von Schwammerl und Feuerblume: Es ersetzt in "Super Mario Odyssey" die anderen Power-ups und erlaubt es Mario, schwierige Situationen einfach in Gestalt eines seiner Widersacher zu meistern.

Zu den Highlights in "Super Mario Odyssey" zählen nebst Cappy die teils bockschweren Boss-Kämpfe gegen Bowsers Hochzeitsplaner-Karnickel und einfallsreiche Riesenkreaturen vom stromsaugenden Tausendfüßer bis hin zum Raketengötzen. Hier ist stets Taktik gefragt, oft segnet Mario erst ein paarmal das Zeitliche, bevor man die richtige Strategie gegen einen Gegner gefunden hat. Umso befriedigender, wenn man gesiegt hat und mit Marios neuem Luftschiff weiter hinter Bowser herjagt.

Open-World-Feeling durch weitläufige Welten
Letztlich ist jeder Sieg über einen neuen Boss auch ein Tor in eine ganz neue Welt. Während Mario in früheren Abenteuern oft unter Zeitdruck durch kompakte Levels huschte, öffnet sich ihm am Beginn einer neuen "Super Mario Odyssey"-Welt nämlich eine große frei begehbare Spielwelt voll versteckter Geheimnisse, Rätseleien und Hindernisparcours, in denen er ohne Zeitdruck mehrere Stunden zubringt, bis er ihr alle Geheimnisse entrissen hat. Teilweise - etwa in der weitläufigen Stadt New Donk City - kommt dabei direkt Open-World-Feeling auf, auch wenn die Levels in der Praxis dann doch weit kleiner sind als etwa die Spielwelt eines "GTA 5".

Sammelwut zahlt sich in "Super Mario Odyssey" aus: Neben Monden, die Marios Fortkommen sichern, gibt es nämlich auch noch zweierlei Münzen, mit denen Mario sich witzige Outfits - vom Wissenschaftler über den Taucher bis hin zum Piloten - oder Hilfsmittel für besonders schwere Kämpfe kauft. Noch mehr Kurzweil ins Spiel bringt ein Mehrspielermodus, in dem ein Spieler Mario und der andere seinen herumwirbelnden Begleiter Cappy steuert. So haben bei Bedarf auch zwei Spieler Freude am eigentlich eher einzelspielerlastigen "Super Mario Odyssey".

Steuerung nicht hundertprozentig konsistent
Alles super, also? Nicht ganz: Als klitzekleines Haar in der Suppe ist uns im Test die Steuerung aufgefallen. Weil die Switch als Handheld, aber auch als stationäre Konsole mit Bewegungssteuerung verwendet werden kann, hat der Spieler hier die Qual der Wahl. Am TV-Gerät empfiehlt sich die Bewegungssteuerung, mit der Mario intuitiv auch komplexere Manöver vollführt, bei denen er zum Beispiel seine Mütze kreisend um sich herumflitzen lässt.

Weil solche Tricks aber mit der Gestensteuerung aktiviert werden, sind sie im Handheld-Modus mit an der Konsole befestigten Controllern nur mit etwas Tastenbelegungs-Spielerei umzusetzen. Dem Gameplay schadet es zwar nicht groß, wenn man "Super Mario Odyssey" ohne Bewegungssteuerung spielt, die Steuerungsunterschiede zwischen mobiler und stationärer Nutzung haben aber zumindest bei uns dazu geführt, dass wir Marios neues Abenteuer im Zweifel lieber am TV-Gerät gespielt haben.

Hübsche Optik, eingängiger Soundtrack
Optisch und akustisch gibt es dafür nichts zu bemängeln - schon gar nicht, wenn man bedenkt, dass das Spiel auf einem Mobilprozessor läuft, wie man ihn auch in manchen Tablets findet, und eben auch mobil nutzbar ist. Mario und die Welten, die er durchstreift, werden scharf und hochauflösend dargestellt, zusätzlich gibt es hübsche Licht- und Reflexionseffekte und geschmeidige Animationen. Höchstens die Kameraführung könnte manche Spieler stören, gerade in hektischen Bosskämpfen geht hie und da die Übersicht verloren.

Der Soundtrack untermalt "Super Mario Odyssey" jederzeit stimmig. Dass es keine richtige Sprachausgabe gibt, sondern mit ausgesprochen witzigen Untertiteln untermaltes Gebrabbel, hat uns im Test nicht weiter gestört.

Fazit: "Super Mario Odyssey" ist ein echtes Jump’n’Run-Juwel geworden. Der Titel vereint die Stärken sämtlicher Mario-Games aus den letzten drei Jahrzehnten, würzt sie mit einer Portion Open World und den ungeahnten Möglichkeiten des magischen Kapperls, und destilliert alles in ein ansprechendes Gesamtkunstwerk mit jenem Feinschliff, den man von Nintendo gewöhnt ist. Besonderheiten an der Steuerung trüben den exzellenten Gesamteindruck da auch kaum mehr.

Plattform: Switch
Publisher: Nintendo
krone.at-Wertung: 9/10

Dominik Erlinger
Redakteur
Dominik Erlinger
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