Mi, 22. November 2017

Terror am Bahnhof

01.10.2017 18:46

Marseille: Zwei Frauen sterben bei Messerattacke

Blutiger Terror am wichtigsten Bahnhof von Marseille, Saint-Charles: Dort ist am Sonntag ein Mann erschossen worden, der zuvor Passanten mit einem Schlachtermesser angegriffen hatte. Zwei Frauen, 17 und 20 Jahre alt, kamen bei der Attacke ums Leben, der 30 Jahre alte nordafrikanische Angreifer sei dann von Soldaten "neutralisiert" worden. Die Polizei geht von einem terroristischen Hintergrund aus. Der Täter habe laut Angaben von Augenzeugen "Allahu Akbar" (Gott ist groß) geschrien.

Der Messerangriff ereignete sich gegen 13.45 Uhr am Hauptbahnhof der südfranzösischen Hafenstadt. Der Bahnhof Saint-Charles befindet sich in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums nicht weit entfernt von der berühmten Hauptader Canebiere, die bis zum Alten Hafen von Marseille führt.



Der Mann habe auf Passanten "eingestochen", teilten die Behörden mit. Der Angreifer sei dann von Einsatzkräften erschossen worden. Soldaten der Anti-Terror-Operation Sentinelle, die unter anderem an wichtigen Bahnhöfen in Frankreich patrouillieren, eröffneten das Feuer auf den Angreifer, der "neutralisiert" wurde.

Lob für Einsatzkräfte: "Sonst hätten wir viel mehr Tote gehabt"
"Ich habe Schüsse gehört weniger als eine Minute, nachdem ich die Attacke beobachtet habe", sagte eine Augenzeugin gegenüber dem Sender Franceinfo. "Die Intervention war extrem schnell." Die Abgeordnete für Marseille, Samia Ghali, sagte dem Sender France Bleu, wenn das Militär nicht so rasch zur Stelle gewesen wäre, "hätten wir viel mehr Tote gehabt".

Ein Polizeivertreter bestätigte, dass der Angreifer laut Augenzeugen "Allahu Akbar" geschrien habe, als er mit einem Messer auf Passanten losging. Die beiden Opfer waren 17 beziehungsweise 20 Jahre alt. Einer Frau habe der Mann in Bauch und Brust gestochen, dem anderen Opfer schnitt er die Kehle durch. Der etwa 30-jährige Angreifer habe ein Schlachtermesser bei sich getragen, Ausweispapiere hatte er keine bei sich. Sein Erscheinungsbild sei das eines Nordafrikaners gewesen. Der Mann soll wegen strafrechtlicher Delikte polizeibekannt sein.

Polizei geht von "islamistisch motivierter Tat" aus
Die Polizei sprach zunächst nur inoffiziell von Hinweisen auf einen terroristischen Hintergrund, mittlerweile gehen die Ermittler aber von einer "islamistisch motivierten Tat" aus. Die für alle Terrorfälle in Frankreich zuständige Pariser Staatsanwaltschaft zog den Fall am Sonntag an sich, wie die Behörde mitteilte.

Staatspräsident Emmanuel Macron lobte die schnelle Reaktion der Sicherheitskräfte. Die Soldaten der "Operation Sentinelle" und die Polizisten hätten "mit äußerster Ruhe und Effizienz reagiert", schrieb Macron auf Twitter. Der Inlandseinsatz "Sentinelle" war nach den islamistischen Anschlägen auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" und einen jüdischen Supermarkt im Jänner 2015 in Paris gestartet worden. Etwa 7000 Soldaten patrouillieren seitdem vor Synagogen, Flughäfen, Bahnhöfen oder Touristenattraktionen wie dem Pariser Eiffelturm, um Anschläge zu verhindern.

Der französische Premierminister Edouard Philippe erklärte auf Twitter: "Wut und Trauer für die Opfer". Zugleich lobte auch der Regierungschef die Sicherheitskräfte und versicherte: "Wir werden nicht in unserer Wachsamkeit nachlassen." Die Chefin der rechtspopulistischen Front National, Marine Le Pen, erklärte indes, angesichts solcher "barbarischen Morde" hoffe sie, "dass man den Terrorismus endlich als das betrachtet, was er ist, als einen Kriegsakt".

230 Terror-Tote in den letzten zwei Jahren in Frankreich
Frankreich war in den vergangenen Jahren mehrfach Ziel von Terroranschlägen. In den vergangenen beiden Jahren haben von der Extremistengruppe Islamischer Staat inspirierte Attentäter insgesamt mehr als 230 Menschen in Frankreich getötet. Zuletzt hatte es Mitte September in der Pariser U-Bahn eine Messerattacke auf einen Soldaten gegeben, der aber unverletzt blieb. Seit Monaten kommt es in Frankreich vermehrt zu Anschlägen auf Sicherheitskräfte. Anfang August war ein Auto in einem Pariser Vorort in eine Gruppe Soldaten gerast. Dabei waren sechs Militärangehörige verletzt worden.

Der jüngste Angriff in Marseille ereignete sich zwei Tage vor der Parlamentsabstimmung über einen umstrittenen Entwurf für ein Anti-Terrorgesetz. Demnach sollen bestimmte Maßnahmen des geltenden Ausnahmezustands in normales Recht überführt werden. Den Ausnahmezustand hatte die Regierung des ehemaligen Präsidenten François Hollande nach den Pariser Anschlägen vom 13. November 2015 mit 130 Toten verhängt.

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Redaktion
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