Do, 14. Dezember 2017

Strahlt in Matt mehr

21.06.2017 23:46

BMW 420d Gran Coupé: Der bessere 3er?

"Der Dreier schaut aber ganz schön schnittig aus!", strahlt mir der Nachbar entgegen, als ich aus dem BMW 420d Gran Coupé xDrive aussteige. Kein Wunder, ist die Linie doch wirklich bestechend schön, das Matt-Silber wirkt gleichermaßen sportlich wie elegant und das mit den Modellbezeichnungen ist bei BMW - nun ja… Jedenfalls hat die 4er-Reihe nun ein Facelift erfahren.

Das 4er Gran Coupé (Achtung, man spricht es "Grán Coupé", nicht "Grah Coupé") ist die viertürige Version der zweitürigen Version des (viertürigen) Dreier-BMW. Der 4er bezeichnet grundsätzlich schlichtweg die Coupé-Version des 3er, während "Gran" bei BMW also "Viertürer" bedeutet. So weit, so unübersichtlich.

Aber dafür umso ansehnlicher, denn man muss eigentlich notgedrungen die Frage stellen, ob der 4er Gran Coupé im Vergleich zum 3er der bessere Viertürer ist. Das sollte er eigentlich sein, schließlich ist er ein ganzes Eck teurer. Doch weit gefehlt, denn Erwachsene haben auf der Rückbank mangels Kopffreiheit keine Freude.

Der schönere 3er ist er hingegen sicher, denn die flache Dachlinie ist ebenso chic wie sie den Innenraum einschränkt und den Grundpreis erhöht. Damit sind die wesentlichen Coupé-Eigenschaften erfüllt.

Wozu dann zwei Extra-Türen?
Ganz einfach: So kann man den Nachwuchs leichter in den Kindersitz bugsieren oder Sakko und Aktentasche easy verstauen. Und man stellt eine Spur Rest-Vernunft zur Schau. Darüber hinaus ist die große Heckklappe ein praktisches Detail.

So scharf wie die Optik der Karosserie strahlen nun, da der 4er frisch upgedatet wurde, auch die Leuchtelemente rundum: serienmäßig LED-Heckleuchten und LED-Scheinwerfer, optional sind Letztgenannte sogar adaptiv. Ansonsten wurde die Optik nur in homöopathischen Dosen geändert. Geblieben sind die teils recht opulenten Karosseriespalten, etwa an den A-Säulen.

Nicht schlecht für einen Vierzylinder-Diesel
Eine Wohltat ist der Vierzylinder-Dieselmotor des Testwagens, der seine 190 PS und 400 Nm (ab 1750/min.) so laufruhig und geschmeidig in Vortrieb umsetzt, dass einem in Sachen Antrieb nichts fehlt. Okay, emotional gesehen natürlich schon, weil was Gran Coupé heißt, sollte es unter sechs Zylindern nicht machen. Aber das Geräuschniveau ist sehr niedrig, solange man nicht die weiter verstärkte Sportlichkeit abruft. Immerhin wurde das Fahrwerk mit dem Facelift straffer, auch im Comfort-Modus des optionalen Adaptiv-Fahrwerks. Der Lenkung tut es gut, wenn man den Fahrerlebnisschalter auf Sport stellt.

Wer den 4er kauft, für den ist also auch absolut relevant, dass er mit dem (ohne Fahrer) 1,6 Tonnen schweren, allradgetriebenen Zweiliter-Diesel aus dem Stand in 7,6 Sekunden Tempo 100 erreichen kann, mit der gewohnt formidablen Achtgangautomatik sogar in nur 7,4 Sekunden. Diese Getriebeversion ist überhaupt das wohl Beste, was man derzeit kaufen kann. Der Eco-Pro-Modus macht es möglich, damit auch antriebslos dahinzusegeln. Nicht im Sinne von prokrastinieren, sondern Sprit sparen. 7,0 Liter genehmigte sich der 420d im Testverlauf, was für einen Allradler absolut in Ordnung geht; der Normverbrauch wird mit 4,5 l/100 km angegeben.

Im Innenraum bleibt alles im Wesentlichen wie gehabt, typisch BMW, fahrerorientiert, aufgeräumt und sportlich. Kritische Geister könnten sich hie und da Materialien wünschen, die besser zum Kaufpreis von über 70.000 Euro passen. Aber letztgültige Eleganz stand hier nicht im Lastenheft.

An der Bedienung haben sich Kleinigkeiten geändert. Das iDrive hat den für Touchscreens optimierten Aufbau mit Kacheln (aber keinen Touchscreen) bekommen, die Zoom-Logik Im Navi ist jetzt umgedreht (also so wie in den MINIs), der Blinkerhebel wird wie bei den meisten anderen Marken bedient statt wie bisher bei BMW üblich.

Unverständlich bleibt, warum man die linke und rechte Temperatur der Zweizonen-Klimaautomatik nicht automatisch synchronisieren kann.

Unterm Strich:
Es muss einem schon 4500 Euro Aufschlag wert sein, wenn man weniger Platz dem herrlichen Design und der Heckklappe opfern will (bei anderen Motorversionen ist es NoVA-bedingt noch mehr), dazu weitere 3500 für das "Frozen Silber metallic". Aber da man einen BMW grundsätzlich nur nach ausgiebigem Haben-wollen-Anklicken in der Aufpreisliste bestellt, fällt das vielleicht gar nicht so auf. Außer dem Nachbarn - aber der sieht dem BMW nicht an, wie teuer er tatsächlich war…

Warum?

Schön ist er schon …

Warum nicht?

… aber auf den Rücksitzen geht es nach oben eng zu.

Oder vielleicht …

… doch den 3er-BMW. Oder einfach den 4er mit zwei Türen. Oder einen Audi A5.

Stephan Schätzl
Redakteur
Stephan Schätzl
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