Sa, 21. Oktober 2017

Auch EU 6 schmutzig

20.03.2017 14:23

ADAC schlägt Alarm: Abgas bis 900% über Grenzwert

Euro 6 ist besser als Euro 5? Sollte man meinen. Doch offenbar ist vieles nicht wie es scheint. Nach der Auswertung der aktuellen "ADAC EcoTest"-Daten schlägt der deutsche Autofahrerklub Alarm: Diesel emittieren vor allem zu viel Stickoxid, Benziner zu viel Feinstaub.

Von 38 getesteten Diesel-Pkw überzeugen in der realitätsnahen Messung tatsächlicher Schadstoff-Ausstöße nach Angaben des Klubs lediglich der Mercedes E220 d 9G-Tronic und der BMW 118d Urban Line Steptronic. Sie schaffen es mit jeweils vier "Umweltsternen" als einzige Dieselfahrzeuge in die Gruppe der empfehlenswerten Autos.

Plus 900% beim Renault Captur
Entscheidend für das schlechte Abschneiden der Dieselmodelle ist das teilweise deutliche Überschreiten der gesetzlichen Grenzwerte für Stickoxide. Im bisher gravierendsten Fall stößt der Renault Captur dCi 90 im sogenannten EcoTest durchschnittlich 725 mg/km an Stickoxid aus und überschreitet den Grenzwert damit um mehr als 900 Prozent. Der Captur ist übrigens - wie alle Fahrzeuge der EcoTest-Liste - nach Euro 6 zertifiziert.

Bemerkenswert: In einigen Fällen blasen moderne Euro-6-Fahrzeuge im ADAC-Test mehr Schadstoffe in die Luft als diejenigen der Klasse Euro 5. Das ist vor allem vor dem Hintergrund drohender Fahrverbote für Dieselfahrzeuge in Innenstädten von Bedeutung.

Die Besten und Schlechtesten im EcoTest:

Während die Mehrheit der Diesel zu hohe Stickoxidemissionen aufweist, zeigen viele Benzin-Direkteinspritzer unter verschärften Testbedingungen einen deutlich zu hohen Ausstoß an Feinstaub. Davon sind nicht nur stark motorisierte Benziner wie beispielsweise der Ford Focus RS betroffen, sondern auch beliebte Volumenmodelle wie der VW Tiguan 1.4 TSI oder der Opel Corsa 1.0 Turbo ecoFlex Edition. Diese Fahrzeuge können in Sachen Umweltverträglichkeit kaum punkten. Beim Opel wurden zudem erstmals erhöhte Stickoxid-Emissionen festgestellt, was bisher bei Benzinern kein Thema war.

"Technisch wäre viel mehr drin"
Technische Notwendigkeiten für zu hohen Schadstoffausstoß gibt es nicht. "Bedauerlich ist, dass die Hersteller weiterhin viel zu wenig unternehmen, um längst vorhandene Emissionstechnologien für einen effektiven Schutz der Umwelt in ihren Fahrzeugen einzusetzen", beklagt Thomas Burkhardt, Vizepräsident für Technik beim ADAC.

Alle EcoTest-Ergebnisse im Überblick:

Keine Empfehlung für Plug-in-Hybride
Die vorderen Plätze beim ADAC EcoTest belegen derzeit Elektro- und Hybridfahrzeuge (BMW i3, Toyota Prius 1.8 Hybrid Executive, Nissan Leaf Acenta). Auch das Brennstoffzellenauto Toyota Mirai bekommt die Höchstnote. Fünf Pkw mit Benzinantrieb erreichten vier Sterne und sind damit ebenfalls empfehlenswert. Sauberster Benziner ist der Suzuki Ignis 1.2 SHVS Comfort+. Von den drei untersuchten Plug-in-Hybriden, also einer Kombination aus Benzinantrieb und externer Stromlademöglichkeit, erhält kein Fahrzeug eine Empfehlung.

Pkw werden beim ADAC realitätsnäher geprüft als dies Hersteller und staatliche Institutionen tun. Neben aktualisierten Fahrzyklen und verschärften Bewertungsmaßstäben gibt es eine weitere wesentliche Neuerung: Autos, die auf dem Prüfstand eine Empfehlung erreichen - also mit vier oder fünf Umweltsternen ausgezeichnet werden - müssen sich zusätzlichen Abgasmessungen auf der Straße (Real Driving Emissions) stellen.

 krone.at
Redaktion
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