Sa, 18. November 2017

Anonyme Hilfe

07.10.2016 09:41

Telefonseelsorge bietet jetzt auch Chat-Beratung

Die Telefonseelsorge bietet jetzt auch Chat-Beratung. Möglich ist das über die Website onlineberatung-telefonseelsorge.at, auf der Ratsuchenden auch Kommunikation per E-Mail angeboten und eine Antwort binnen zwei Tagen zugesagt wird, wie die von der katholischen und evangelischen Kirche getragene Einrichtung anlässlich des Welttags der psychischen Gesundheit am Freitag mitteilte.

"Wir haben eine Kompetenz, die wir auch hier anbieten wollen", sagt Marlies Matejka, die Leiterin des Notrufdienstes in Wien, und verweist auf positive Erfahrungen in anderen Ländern: In Deutschland sei die Chat-Beratung der Telefonseelsorge sehr gut angenommen worden und auch in Norwegen sei eine sehr große Nachfrage festzustellen. Im Gegensatz zur Beratung am Telefon unter der kostenfreien Nummer 142, die rund um die Uhr geboten wird, müssen Chat-Termine vorerst allerdings gebucht werden.

Die Telefonseelsorge hat österreichweit rund 700 ehrenamtliche Mitarbeiter, die eine zumindest einjährige Ausbildung bzw. Vorbereitung absolviert haben. Wenigstens zehn von ihnen sind an neun Stellen - eine in jedem Bundesland - gleichzeitig im Einsatz. Pro Jahr werden mehr als 130.000 Beratungsgespräche geführt. 70 Mitarbeiter wurden mit Einführung der Beratung via E-Mail für diese Online-Beratung ausgebildet, 30 von ihnen nun auch für das Chatten.

Mehr Anonymität, weniger Scham
"Vor allem junge Leute sind es gewohnt zu chatten", so Matejka. Während der Großteil der Klienten am Telefon aus der Altersgruppe der 40- bis 60-Jährigen kommt, gehören die E-Mail-Klienten überwiegend der Gruppe der 20- bis 40-Jährigen an. "Schreiben schafft ein Stück Distanz zum Thema", erklärt Matejka. Außerdem bringt die schriftliche Kommunikation nach den Erfahrungen der E-Mail- und Telefonseelsorger noch mehr Anonymität und damit zusammenhängend weniger Scham.

Die Telefonseelsorge hat, wie Matejka betont, kein psychotherapeutisches Angebot. Reden oder schriftlich kommunizieren kann man dafür mit einem "kompetenten Mitmenschen". "Zuhören kommt in unserer Gesellschaft anscheinend viel zu kurz", konstatierte die Wiener Leiterin des Notrufdienstes.

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