"Wunder" in Dhaka
Überlebende zwei Wochen nach Unglück geborgen
Die Frau heiße Reshma Begum und werde nun auf der Intensivstation behandelt, erklärte Oberstleutnant Emran Hossain von den Bergungsmannschaften am Freitagnachmittag. "Als ich rief, ob da drinnen noch jemand am Leben sei, antwortete sie und bat um Hilfe", sagte ein anderer Retter.
Daraufhin sei sofort der Einsatz schwerer Maschinen eingestellt worden. "Sie war in einer Lücke im Keller gefangen", habe sich aber bewegen können, schilderte er. Eine knappe Stunde dauerte es, bis die Retter mit Hämmern, Handbohrern und Sägen zu der Frau vordringen konnten. Dann reichten sie ihr Wasser und Kekse.
Überleben der Frau grenzt an ein Wunder
Wie die Frau so lange überleben konnte, ist derzeit noch nicht klar. "Sie hat offenbar Wasser bei sich gehabt oder von dem Wasser getrunken, das wir in das Gebäude gepumpt haben" , erklärte ein Feuerwehrmann am Einsatzort.
Menschen, die in den Trümmern eingestürzter Gebäude eingeschlossen sind, überleben meist nur kurze Zeit. Die meisten Geretteten werden innerhalb von 24 Stunden aus dem Schutt geholt. Ein Mensch kann nur etwa drei Tage ohne Wasser überleben. Nur wenn Verschüttete Zugang zu Flüssigkeit haben, haben sie auch danach noch eine Überlebenschance. Allerdings gibt es immer wieder "Wunder".
Bereits über 1.000 Leichen geborgen
Nach Angaben des Zentrums für Katastrophenmanagement in Bangladesch bargen die Rettungskräfte bis Freitag 1.043 Leichen aus den Trümmern des Gebäudes. Die meisten Toten sind Frauen, die in den oberen Stockwerken des Hauses Kleidung nähten. Der Einsturz ist der schlimmste Fabrikunfall in der Geschichte des Landes.
In dem Niedriglohnland ist die Textilindustrie der wichtigste Wirtschaftszweig. Millionen Menschen, vor allem Frauen, nähen in Tausenden Fabriken. Wegen mangelnder Feuer- und Sicherheitskontrollen kommt es immer wieder zu fatalen Unfällen und Bränden, bei denen Arbeiter sterben.
Behörden, Nichtregierungsorganisationen und Textilunternehmen diskutieren bereits über die Zukunft der Industrie in Bangladesch. Lokale Produzenten fürchten allerdings, dass Veränderungen Auftraggeber - die vor allem aus Europa und den USA kommen - dazu veranlassen könnten, dem Land den Rücken zu kehren.







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