Fr, 20. Oktober 2017

Koma-Texten und Co

30.06.2010 10:17

Australierin warnt vor neuen SMS-Krankheiten

Ein wunder Daumen ist nicht die einzige Gefahr für SMS-Vielschreiber. Auch Textaphrenie, post-textische Stresssyndrome, Tangstgefühle und Koma-Texten können vor allem Teenager beim "Simsen" heimsuchen, warnt jetzt die australische Forscherin Jennie Caroll.

Dem australischen Mobilfunkanbieter Boost zufolge hat sich die Zahl der in Down Under verschickten SMS seit 2008 verdoppelt. Auch hierzulande erfreut sich die Kurzmitteilung weiterhin großer Beliebtheit. Mit 5,7 Milliarden SMS wurden laut Telekom-Regulierungsbehörde RTR 2009 in Österreich 21,7 Prozent mehr SMS verschickt als noch im Jahr zuvor.

Jennie Caroll findet diese Zahlen besorgniserregend. Die Dozentin für Projektmanagement in Melbourne will zahlreiche Krankheitsbilder entdeckt haben, die insbesondere jugendliche "Simser" erleiden können. Darunter etwa die Textaphrenie – der feste Glaube, das Telefon habe eine eingehende SMS angezeigt, obwohl in Wirklichkeit nichts angekommen ist – oder das post-textische Stress-Syndrom, bei dem der SMS-Schreiber überhuapt nicht mehr mitbekommt, was um ihn herum passiert, bis er schlimmstenfalls gegen eine Wand oder einen Laternenpfahl läuft.

Auch Selbstzweifel (sogenannte "Tangstgefühle", eine Kombination aus Text und Angst), wenn nach einer Weile keine neue SMS angekommen ist, können Vielsimser heimsuchen. Demgegenüber steht laut Caroll das Koma-Texten: Betroffene verschicken unzählige SMS, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken. "Textaphrenie und Tangstgefühle haben SMS-Schreiber, die sich einsam fühlen und an ihrer Popularität zweifeln", erklärte die Forscherin am Mittwoch im australischen Rundfunk. Koma-Texten sei ein Hilferuf.

"Das ist ausgemachter Blödsinn"
"Das ist Quatsch, richtig Quatsch", sagt hingegen der Kinder- und Jugendpsychologe Michael Schulte-Markwort vom Universitätsklinikum Hamburg. Es gebe natürlich immer wieder Eltern, die in Sorge sind, weil ihre Kinder ihre Handys zu intensiv nutzen. Der Kinder- und Jugendpsychiater habe das aber noch nie als Sucht erlebt.

Die von der Australierin Caroll beschrieben Krankheiten seien nichts Besonderes. Die eigene Attraktivität anhand von empfangenen SMS oder E-Mails zu messen oder die eigene Umwelt beim Telefonieren nicht mehr wahrzunehmen, sei ein normales Phänomen. "Das als Krankheit zu bezeichnen, ist ausgemachter Blödsinn," so Schulte-Markwort gegenüber der deutschen Nachrichtenagentur dpa.

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