Sa, 24. Februar 2018

Fachwechsel

11.02.2018 21:23

Honda Jazz: Mit neuem Motor jetzt Rock 'n' Roll

Hondas kleinster spielt nicht nur Jazz, sondern mehr Stückln als die Konkurrenz. Das liegt an seinem Innenraum, der eine ganze Band oder aber alle ihre Instrumente (samt Schlagzeug) aufnehmen kann. Außerdem wechselt er mit seinem neuen Motor vom Jazz zum Rock 'n' Roll.

Den Honda Jazz als echten Sportler zu positionieren haben sie sich in Tokio dann doch nicht getraut, aber immerhin haben sie ihrem erfolgreichen Kleinwagen (seit 2001 sieben Millionen Stück verkauft) zum Facelift den 130-PS-Benziner aus dem HR-V spendiert. Der ermöglicht Fahrleistungen, die an jene des seligen CRX heranreichen. Das ganze Fahrgefühl erinnert an diese alten Zeiten, der 1,5-Liter-Saugmotor klingt wie früher und stürmt willig in Drehzahlhöhen bis über 7000 Touren; Rock 'n' Roll statt Jazz, sozusagen. Für diesen Fachwechsel braucht es allerdings das Sechsgang-Schaltgetriebe, die CVT-Automatik ist eher für den Blues zuständig, auch wenn sie sieben Fahrstufen einprogrammiert bekommen hat. In Zahlen: 8,7 bzw. 10,0 Sekunden für den Sprint auf 100 km/h, 190 km/h Spitze.

Diese neue Dynamik haben die Japaner dem kleinen Jazz auch ins Gesicht geschrieben. Neben dezenten Änderungen, welche die Front weder mehr noch weniger dynamisch wirken lassen, macht die schmale, rote Leiste am Splitter einen Unterschied und lässt den wilden Gassen-Rocker raushängen. Ebenso die rote Lippe hinten am neuen Design-Diffusor.

Das Fahrwerk ist entsprechend straff ausgelegt, die Lenkung hingegen etwas indirekt, aber präzise genug, sodass man es durch enge Landstraßenkurven auch mal laufen lassen kann.

Alles für Reihe zwei und das Gepäck
Das schlagende Argument für den 4,05 Meter kurzen Honda Jazz ist jedoch sein Innenraum. Der ist nicht von Eleganz geprägt, sondern von Alltagstauglichkeit und einer Variabilität, die ihresgleichen noch nicht gefunden hat. Die "Magic Seats" genannten Rücksitze lassen sich serienmäßig wie Kinosessel hochklappen, was einen 1,28 Meter hohen Stauraum beschert, oder topfeben flachlegen, um bis zu 1314 Liter (statt 354 Liter) zu tragen. Der Beifahrersitz ist nach hinten umklappbar, was die Ladefläche auf 2,48 Meter verlängert oder eine Art Couch darstellt, auf der man während einer Fahrtpause die Beine hochlegen kann. Ansonsten herrschen auf der Rückbank Platzverhältnisse wie in der Mercedes-S-Klasse. Ganz im Gegensatz zu den Vordersitzen: Weil die Sitzschienen zu kurz sind, wird es vor allem für den Beifahrer richtig eng. Mut großen Füßen hat man Schwierigkeiten, selbige im Fußraum unterzubringen. Der Fahrer hat es etwas bequemer.

Für die neue Motorversion muss man wegen der "Dynamic"-Ausstattung (inkl. LED-Scheinwerfer) mindestens 20.490 Euro investieren, den 102-PS-Basismotor gibt es ab 16.990 Euro.

Unterm Strich:
Ein Diesel ist weiterhin nicht im Angebot, der starke Benziner ist jedoch eine gute Alternative zum 1,3-Liter-Motor. Der Normverbrauchswert von 5,9 l/100 km (mit CVT nur 5,4 l/100 km) dürfte wegen des Verzichts auf Turboaufladung in der Praxis nicht so weit überboten werden wie sonst üblich. Das Sitzkonzept ist für Passagiere in Reihe zwei sowie für den Transport von Gepäck unschlagbar. Der Beifahrer ist jedoch so eng untergebracht wie in wohl kaum einem anderen Auto.

Warum?
Magic Seats sind einzigartig
Spritziger, neuer Motor

Warum nicht?
Beifahrersitz ist einem Erwachsenen nicht zumutbar

Oder vielleicht …
… VW Polo, Opel Corsa, Renault Clio, Ford Fiesta, Hyundai i20 etc.

Stephan Schätzl
Redakteur
Stephan Schätzl
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