So, 22. April 2018

Moderne Technik nutzen

03.02.2018 06:00

ADHS spielerisch im Griff

Eine neue Studie am Wiener AKH/MedUni untersucht, wie man die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung mittels Computerspielen in einer virtuellen Realität auch im echten Leben verbessern kann

Lena betritt den Schulhof. Als neue Schülerin muss sie sich erst einmal in der unbekannten Umgebung zurechtfinden. Nach kurzer Überlegung entschließt sich das Mädchen zu einer Runde Tempelhüpfen. All das findet nicht im Freien statt, sondern in einem Raum am AKH/MedUni Wien. Lena hat eine „Virtual-Reality“-Brille auf und Controller in der Hand. Der Teenager leidet unter ADHS und möchte die Störung mit Hilfe der neuartigen Behandlungsstrategie in den Griff bekommen.

„Wir machen uns die virtuelle Realität (VR) zunutze, wie es schon länger etwa bei Angstpatienten möglich ist. Diese werden in speziellen Programmen mit den Reizen konfrontiert, welche sie fürchten“, erklären die Initiatoren Dr. Anna Felnhofer, Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der MedUni Wien, und Dr. Oswald Kothgassner von der Abteilung für Klinische Psychologie und der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie des AKH Wien. „Menschen mit Spinnenphobie lässt man eben dieses Tier auf der Hand krabbeln. Durch die Brille scheint es präsent in einer täuschend echten Umgebung. Der Proband befindet sich aber in einem sicheren Umfeld. Auch wenn er weiß, dass die Situation nicht real ist, reagieren Gehirn und Körper mit wirklicher Angst. Diese lernt er dann auszuhalten.“

Für die ADHS-Kinder gilt, dass sie in der vorgegaukelten Realität ein echtes Training durchlaufen, welches sie später gut in ihrem eigenen Alltag umsetzen können. „Im Vergleich zu Programmen am Papier oder PC ist die Motivation hier allerdings ungleich höher, schließlich macht das Programm einfach Spaß!“, freut sich Dr. Kothgassner. „Die jungen Patienten vermögen gezielt ihre Grundprobleme auszumerzen, nämlich Schwierigkeiten, länger aufmerksam zu bleiben, Probleme, sich Inhalte kurzfristig zu merken und Impulse (z. B. Fußtritte oder Redeschwälle) nicht unter Kontrolle zu haben. Die Hyperaktivität wird ebenfalls positiv beeinflusst, weil man sich während der Übungen bewegen kann.“

Neben Tempelhüpfen, welches das Arbeitsgedächtnis schult, weil man bestimmte Zahlen nachspringt, können die Kids etwa noch Schmetterlinge fangen. Hier haben sie sich zu konzentrieren, denn nur bestimmte Farben sind gefragt. Beim Kartensortieren muss die Aufmerksamkeit ebenfalls aufrecht erhalten werden, auch wenn Ablenkungen wie Lärm das schwierig machen. Die Probanden von ca. neun bis 18 Jahren „spielen“ drei Monate lang zweimal pro Woche für 30 Minuten. Mittels verschiedener Tests vor und nach dem Training wollen die Klinischen Psychologen feststellen, wie es sich z. B. in der Schule auswirkt. „Manche Eltern sind skeptisch, wenn Jugendliche mit Computern arbeiten sollen“, versteht Dr. Felnhofer. „Aber unser Programm (virtuelle Umgebung programmiert von Black Cell, Katharina Krösl) basiert einerseits auf modernen ADHS-Erkenntnissen, andererseits muss man die Jungen in ihrer Lebensrealität abholen, in der sie Technik nun einmal ständig begleitet. Die Untersuchungen legen außerdem nahe, dass die so Trainierten gute Ergebnisse im Alltag zeigen.“

Eva Greil-Schähs, Kronen Zeitung

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