Am Nationalfeiertag hörten wir in seiner Rede viele Ermahnungen an österreichische Staatsbürger: Sie sollten Toleranz üben gegen alle, egal welcher Hautfarbe, egal welcher Herkunft und egal welcher Religion. Was er nicht sagte, waren Aufforderungen an jene, die hierherkamen. Sie stammen aus Ländern, in denen grauenhafte Zustände herrschen: bittere Armut, militante Clans, Bürgerkrieg und die Verletzung von Menschenrechten. All das mussten sie ertragen, und es war der Grund, hierherzukommen. Doch sie bringen die gewohnten Verhaltensweisen natürlich mit und müssten sie umstellen, um hierher zu passen. Viele tun das auch. Ich denke an den Syrer, der in der Nähe eine kleine Änderungsschneiderei aufgemacht hat. Er leistet hervorragende Arbeit zu einem guten Preis und schenkt auch noch ein syrisches Keks. Ein wunderbares Stück Orient, mitten in Wien. Doch zu viele Ankömmlinge denken nicht daran, von den alten Gewohnheiten abzulassen. 40% der Jugendlichen stellen die Scharia über unsere Verfassung (laut Studie der Stadt Wien). Soll es hier so werden wie daheim? Wozu sind sie dann gekommen? Ihnen hätte eine mehr als zarte Aufforderung des Herrn Bundespräsidenten gebührt. Doch kein Wort davon. Er hätte gut Integrierte als Vorbild nennen können und Nachahmung empfehlen. Ein Lob für sie und all jene, die sie unterstützten, wäre verbindlich und hilfreich gewesen. Ebenso müsste der politische Islam ein gesellschaftliches und gesetzliches Tabu werden – auch wenn er missbräuchlich als Religion deren Freiheit und Schutz beansprucht. Kein Wort in der Rede zu dieser Problematik. Das Schwierige lieber nicht ansprechen. Eine verpasste Chance für konstruktive Vorschläge. Stattdessen Kritik an jenen, die die Gesellschaft spalten. Doch wer spaltet da eigentlich? Sind es jene, die hereindrängen und negativ auffallen, oder jene, die genau das kritisieren? Der Herr Präsident hat übersehen, dass eben nicht alles egal ist. Kein Wort von Verständnis für jene Bürger, die nicht mehr mitansehen wollen, wie Schulen zerbrechen und Kriminalität unsere Stadtteile ruiniert. Kein Wunder, dass viele nach rechts tendieren – genau das, was er ja eigentlich verhindern möchte. War seine Rede auf mehr als einem Auge blind?
em. o. Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Schreiner, Wien
Erschienen am Mi, 28.10.2026
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