Die jüngste Initiative von Ex-Kanzler Franz Vranitzky, Ex-Höchstrichterin Irmgard Griss und Ex-EU-Kommissar Franz Fischler für eine automatische Staatsbürgerschaft bei Geburt hinterlässt ein tiefes Befremden. Warum meinen prominente Altpolitiker im Ruhestand, dem Volk aus dem sicheren Abstand der Beobachterrolle – ohne Verantwortung zu übernehmen – erklären zu müssen, wie leichtfertig unser Staatsbürgerschaftsrecht aufgeweicht werden sollte? Die österreichische Staatsbürgerschaft ist kein reiner Verwaltungsakt und erst recht kein Selbstbedienungsladen. Sie ist ein hohes Gut und muss das Fundament einer gelungenen Integration bleiben – verbunden mit dem Nachweis der Sprachkenntnisse, Selbsterhaltungsfähigkeit und dem klaren Bekenntnis zu unseren Werten und Gesetzen. Wer den Pass schon an der Wiege verteilt, nimmt jedem Anreiz zur aktiven Integration den Boden. Ein Staat, der seine Staatsbürgerschaft entwertet, verliert am Ende die Kontrolle darüber, wer das Schicksal dieses Landes mitbestimmt. Der österreichische Pass muss etwas Besonderes bleiben, das mit großer Sorgfalt und Respekt vergeben wird.
Josef Pratsch, Angern
Erschienen am Di, 27.10.2026
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