Das freie Wort

Wirtschaftswunder auf Bestellung?

Wir haben die Unternehmer verstanden“, verkündet Wirtschaftsminister Hattmannsdorfer und will Österreich bis 2035 unter die zehn wettbewerbsfähigsten Volkswirtschaften der Welt bringen. Guten Morgen, Herr Minister! Hatten Sie einen angenehmen Traum? Die Realität sieht weniger rosig aus: Platz 29 in der globalen Wettbewerbsfähigkeit, hohe Lohnnebenkosten, überbordende Bürokratie und mangelnde staatliche Effizienz. Selbst in wirtschaftlich besseren Zeiten schaffte Österreich es nie in die Top 10. Der bisherige Höchststand war Rang 11 im Jahr 2007. Und jetzt soll ausgerechnet bis 2035 gelingen, was Österreich noch nie geschafft hat? Ambitionierte Ziele sind gut. Doch Ankündigungen allein senken keine Kosten, bauen keine Bürokratie ab und retten keine Arbeitsplätze. Hattmannsdorfer ist voraussichtlich noch bis 2029 Wirtschaftsminister. Bleiben ihm also drei Jahre, um zu beweisen, dass hinter seinen Worten mehr steckt als eine schöne Zukunftsvision. Oder darf sich sein Nachfolger dann mit der Umsetzung beschäftigen? Herr Minister, die Unternehmer brauchen keine Versprechen für 2035. Sie brauchen heute bessere Rahmenbedingungen. Wettbewerbsfähigkeit entsteht nicht durch Wunschdenken, sondern durch Reformen. Und dafür reicht es nicht, die Probleme verstanden zu haben – man muss sie endlich lösen.

Mike Payer, Neusiedl am See

Erschienen am Di, 27.10.2026

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