WKÖ-Präsidentin Martha Schultz möchte die Sommerferien von 9 auf 6 Wochen verkürzen. Als Touristiker wundert mich dabei vor allem eines: Hat man auch darüber nachgedacht, was das für den österreichischen Tourismus bedeutet? Familien mit schulpflichtigen Kindern können nun einmal überwiegend in den Ferien verreisen. Werden neun Wochen auf sechs reduziert, verschwinden diese Urlauber nicht plötzlich – sie konzentrieren sich auf einen noch kürzeren Zeitraum. Noch vollere Straßen, noch größere Auslastungsspitzen, schwierigerer Personaleinsatz und höhere Preise wären die logische Folge. Seit Jahren spricht der Tourismus von Saisonverlängerung und Entzerrung. Und jetzt soll ausgerechnet die Hauptreisezeit um ein Drittel verkürzt werden? Gerne wird Deutschland als Beispiel genannt. Ja, dort dauern die Sommerferien meist sechs Wochen. Was dabei gerne vergessen wird: Die Termine sind zwischen den Bundesländern gestaffelt, und etwa Bayern und Baden-Württemberg haben zusätzlich rund zwei Wochen Osterferien sowie einen langen Ferienblock zu Pfingsten. Wer das deutsche Modell zitiert, sollte daher bitte das ganze Modell nennen und nicht nur jene sechs Wochen, die gerade ins Argument passen. Eine bessere Verteilung der Ferien über das Jahr kann man durchaus diskutieren. Das könnte sogar touristisch interessant sein. Drei Wochen einfach aus dem Sommer zu streichen, ohne gleichzeitig vernünftige längere Ferienzeiten im Frühjahr zu schaffen, wäre hingegen das Gegenteil einer Saisonentzerrung. Frau Schultz scheint derzeit ein wenig zur österreichischen Margaret Thatcher avancieren zu wollen: kürzen, straffen, effizienter machen. Als Präsidentin der Wirtschaftskammer darf und soll sie Diskussionen anstoßen. Sie sollte aber nicht glauben, dass sie ansagt – und der Rest tanzt. Gerade von einer Wirtschaftskammerpräsidentin, die selbst aus dem Tourismus kommt, hätte ich mir bei einem derart weitreichenden Vorschlag mehr Sensibilität für die wirtschaftlichen Folgen in unserer Branche erwartet. Wer Saisonverlängerung und eine bessere Verteilung der Gästeströme fordert, sollte nicht gleichzeitig dafür sorgen, dass sich der Familienurlaub auf noch weniger Wochen zusammendrängt.
Ilmar Tessmann, St. Oswald/Eberstein
Erschienen am Mo, 14.9.2026
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.
Liebe Leserin, lieber Leser,
die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.
Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team
User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB). Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.