Regierungschefin Giorgia Meloni leitet die in der Nachkriegszeit längste Regierungsphase Italiens und hat hohe Akzeptanz und Beliebtheit, weil sie in „populistischer“ Form – das leitet sich übrigens vom lateinischen Wort „populus“ ab, was Volk bedeutet – auf das hört, was die Bürger wollen. In Österreich ist es leider umgekehrt und die Politik macht meistens das, was die Menschen nicht wollen oder brauchen – entsprechend tief sind Akzeptanz und Beliebtheit gesunken. So hat die FPÖ mittlerweile in Befragungen alleine fast so viele Stimmen wie die beiden „Großparteien“ der Regierung in Summe, wobei sie aber nicht unbedingt deshalb so weit vorne liegt, weil sie so ein großartiges Programm oder überzeugende Leitfiguren hat, sondern weil sie die Probleme der Menschen erkannt und thematisiert hat. Ob dann bei Regierungsbeteiligung die richtige Politik tatsächlich umgesetzt würde, ist wieder eine andere Baustelle. Das alles hat jedenfalls mit Ideologie und rechts oder links nicht unbedingt viel zu tun, sondern ist eine Frage des Hausverstands, der Funktionalität und der Finanzierbarkeit, worauf die „Altparteien“ wieder setzen müssen, wenn sie in Zukunft Erfolg haben wollen. Und sie müssen endlich zu der Einsicht kommen, dass ein Sozialstaat mit seinen Abteilungen Gesundheit, Schulen, Arbeitslosigkeit, öffentliche und private Sicherheit etc. nur als geschlossenes System dauerhaft funktionieren kann – für jene, die laufend einzahlen und das Ganze mit Beiträgen erhalten. Und um wieder italienisch zu werden: Ein bekannter italienischer Fußballtrainer sagte einst in einer mittlerweile berühmt gewordenen Pressekonferenz vor fast drei Jahrzehnten angesichts des Leistungstiefs seiner damaligen Mannschaft: „Ich habe fertig.“ Und: „Waren schwach wie eine Flasche leer.“ Und genau das könnten die Österreicher aktuell über die Politik und ihre Protagonisten sagen, Ausnahmen bestätigen die Regel.
Mag. Martin Behrens, Wien
Erschienen am So, 6.9.2026
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