Der Bericht über die VW-Krise und die massiven Auswirkungen auf die österreichischen Zulieferbetriebe bestätigt genau das, wovor viele seit Jahren warnen. Bereits rund 5000 Arbeitsplätze sind verloren gegangen, weitere könnten folgen. Doch jetzt die Schuld den Autokäufern zuzuschieben, greift viel zu kurz. Die Hauptverantwortung tragen die Politik und das Management der europäischen Autoindustrie. Die EU hat mit dem Verbrenner-Verbot der Industrie einen Kurs aufgezwungen, dessen Folgen zurzeit immer deutlicher sichtbar werden. Ich frage mich bis heute, warum sich die europäischen Hersteller diesem politischen Kurs nahezu widerstandslos unterworfen haben. Statt für Technologieoffenheit einzutreten, wurde zugesehen. Gleichzeitig wurde jahrzehntelang aus reiner Profitgier produziert, wo es am billigsten war. Werke entstanden in China, den USA und anderen Ländern, während man den Kunden weiterhin das Bild der „deutschen Wertarbeit“ verkaufte. Jetzt bekommen die Konzerne die Rechnung präsentiert. Handelskonflikte, Zölle und eine starke chinesische Konkurrenz treffen eine Industrie, die sich selbst abhängig gemacht hat. Noch schwerer wiegt, dass die Elektromobilität verschlafen wurde. Während Europa diskutierte und Vorschriften erließ, investierten chinesische Hersteller Milliarden in Batterien, Software und Produktion. Heute bauen sie – vielfach mit europäischen Ingenieuren – Elektroautos, die den etablierten Marken technisch und qualitativ mindestens ebenbürtig sind und oft sogar günstiger angeboten werden. Die Folgen sehen wir jetzt schwarz auf weiß: Werksschließungen, Sparprogramme und tausende verlorene Arbeitsplätze. Und wer glaubt, das sei das Ende, irrt gewaltig. Das ist erst der Anfang. Meine Befürchtung bleibt: Wenn Europa und insbesondere Volkswagen den Kurs nicht grundlegend ändern, könnte in einigen Jahren sogar eine Übernahme eines traditionsreichen europäischen Herstellers durch einen chinesischen Konzern Realität werden. Was vor 20 Jahren völlig undenkbar gewesen wäre, erscheint heute plötzlich nicht mehr ausgeschlossen.
Mike Payer, Neusiedl am See
Erschienen am Do, 16.7.2026
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