Das freie Wort

Das Land akademisiert sich ins Aus!

Budgetkürzungen in Wissenschaft und Forschung wären eine Selbstvernichtung auf Raten. Einsparungspotenzial hingegen liegt bei der enorm hohen Zahl an Oberstufen- und Hochschülern. Notenwahrheit, das war einmal. Schülerleistungen werden überwiegend mit Sehr gut oder einem Gut beurteilt, nicht genügende Jahresabschlüsse von höchster Stelle torpediert. Die Farce der Leistungsbeurteilung beginnt in der Volksschule beim Gerangel um die Gymnasiumplätze. In Mittelschulen wird am Ende der 8. Schulstufe mehr als der Hälfte der Abgänger ein ausgezeichneter oder guter Schulerfolg attestiert. Oberstufenschulen reißen sich um Bewerber, um ihre Lehrkräfte beschäftigen zu können. „Zeig, was du kannst“, das war einmal. Das Schreckgespenst Aufnahmeprüfung ist Österreichs verwöhnter Schüler- und Elternschaft nicht zuzumuten. Oberstufenschulen sind zu „Schüleraufbewahrungsstätten“ geworden. Die Mindestquote bei der mündlichen Reifeprüfung liegt mittlerweile bei fragwürdigen 30% des Anforderungsprofils. 99% der Kandidaten schaffen die Reifeprüfung, allerdings viele der jährlich 40.000 Maturanten genügen nicht annähernd den Hochschulvoraussetzungen. Zudem sorgt die auf bescheidene Anforderungen abstellende Berufsreifeprüfung, fälschlicherweise als „Lehre mit Matura“ bezeichnet, für ein zusätzliches Heer an Studienberechtigten und beraubt Tausende Kleinbetriebe ihrer qualifizierten Fachkräfte. Ein Land akademisiert sich ins Aus! Unis, FHs und private Online-Institutionen mit ihren 3600 Studienangeboten produzieren eine hohe Zahl wenig kompetenter Absolventen. Österreich hat viermal so viele Hochschulen wie die Schweiz. Dort machen 70% der Menschen eine Lehre, hier gerade mal 30%. Weit mehr als hunderttausend fähige und loyale Menschen fehlen in Betrieben, Tourismus, Pflege, Gastronomie etc., um das ökonomische und gesellschaftliche Gefüge aufrechtzuerhalten. Jungen Menschen ist klarzumachen, dass Spaß haben und Chillen alleine noch keine Studienkriterien sind. Jahr für Jahr immer noch mehr Gastarbeiter und Saisonniers aus fernen Ländern zu holen, ist kontraproduktiv. Österreich benötigt wieder weit mehr einheimische „Hackler und Hacklerinnen“, die mit Hand, Hirn, Herz und Hausverstand und womöglich auch mit Freude ihre so unverzichtbare Arbeit erledigen.

Sepp Schnöll, Kuchl

Erschienen am Do, 9.7.2026

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