Wissenschaftsministerin Holzleitner möchte das sogenannte Teilzeitstudium an Österreichs Universitäten verwirklicht sehen. Doch was bitte ist ein Teilzeitstudium? Ein Studium mit einem planmäßigen Curriculum von zehn Jahren? Es ist eine Tatsache, dass 68 Prozent der Studierenden zumeist schwarz während des Studiums arbeiten und sich gerade deshalb sehr oft überlange Studienzeiten ergeben. Dies hat zur Folge, dass die Studierenden oft erst mit dreißig Jahren oder später in ein echtes, beitragsorientiertes Berufsleben einsteigen und im Gegensatz zu Nichtakademikern so gut wie nie auf zumindest 35 echte Arbeits- und Beitragsjahre kommen, bevor sie schon wieder in die Pension abtauchen. Und dann kommen noch Wünsche nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance samt diversen Sabbaticals hinzu. Sorry, liebe Frau Bundesministerin – wenn sie jetzt ein dekretiertes Teilzeitstudium einführen möchten, werden sich sowohl die budgetäre Situation als auch die Lage am Arbeitsmarkt noch mehr verschlechtern. Es wird dann noch mehr Dauerstudenten im Land geben, und viele dringend benötigte Arbeitskräfte werden viel zu lange fehlen. Eine echte Reform würde anders aussehen. Es sollte im Gegensatz zu ihrem Vorschlag die Mindestabschlusszeit bei Studien attraktiv gefördert werden. Wer sein Studium in vier oder maximal fünf Jahren schafft, sollte eine angemessene Erfolgsprämie erhalten. Wer hingegen dahinbummelt und meint, dass die Allgemeinheit sie/ihn möglichst lange zu alimentieren habe, sollte einer Rückforderung der tatsächlichen Studienkosten entgegensehen. Wer wirklich studieren will, schafft ein Regelzeit-Studium auch mit einem Nebenjob oder sogar bei einer 40-Stunden-Woche. Es kommt nur auf die jeweilige Motivation und Selbstorganisation an. Ich weiß, wovon ich rede, da ich selbst neben einem seit dem 18. Lebensjahr ausgeübten Vollzeitberuf innerhalb von zwölf Jahren vier Studien erfolgreich abschließen konnte.
Martin Krämer, per E-Mail
Erschienen am Mi, 24.6.2026
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