Zu oft werden Wahlen in Österreich und in der EU nicht nach dem langfristig Vernünftigen entschieden, sondern nach dem kurzfristig Naheliegenden. Genau darin liegt ein wiederkehrendes Problem moderner Demokratien: Politische Entwicklungen, deren Risiken längst sichtbar sind, werden dennoch bestätigt – und dadurch weiter verfestigt. Ein zentraler Mechanismus dahinter ist politische Selbsttäuschung. Sie dient als psychologischer Schutz, der die Kluft zwischen Anspruch und Realität überbrückt. Anstatt das eigene Weltbild zu hinterfragen, werden Warnsignale relativiert oder umgedeutet. Bleiben die erhofften Erfolge aus, führt das selten zu einer Kurskorrektur – vielmehr entsteht die Forderung, den eingeschlagenen Weg noch entschlossener fortzusetzen. Dem steht ein anspruchsvolleres, aber unverzichtbares Prinzip gegenüber: Politik muss sich an ihren tatsächlichen Konsequenzen messen lassen. Wenn Maßnahmen wiederholt zu steigenden Kosten, wirtschaftlicher Schwächung oder wachsender gesellschaftlicher Polarisierung führen, darf das nicht folgenlos bleiben. Eine kritische Neubewertung ist dann notwendig – unabhängig von ideologischen Bindungen oder politischer Loyalität. Gerade in aktuellen Politikfeldern wie dem Ukrainekrieg, der Energieversorgung, wirtschaftlichen Strukturfragen oder der Migrationspolitik zeigt sich, wie schwer solche Korrekturen fallen. Zielkonflikte, Unsicherheiten und geopolitische Zwänge erschweren klare Entscheidungen. Umso wichtiger ist es, Fehlentwicklungen offen zu benennen und Strategien anzupassen, statt sie aus Gewohnheit oder politischer Identifikation weiter zu verteidigen. Eine demokratische Gesellschaft bleibt nur dann stabil, wenn sie lernfähig ist. Vernunft zeigt sich nicht in der starren Wiederholung einmal getroffener Entscheidungen, sondern in der Bereitschaft, Annahmen zu überprüfen – und den Kurs zu ändern, bevor sich Fehlentwicklungen verfestigen.
Dr. Josef Richard Skumautz, Villach
Erschienen am Do, 21.5.2026
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