Das freie Wort

Unser Gspritzter

Gerade jetzt in der schönen Sommerzeit ist es wohltuend, im Urlaub oder nach der Arbeit die Freizeit im Garten, auf der Terrasse oder auf dem Balkon zu verbringen. Da tut es auch gut, ein kühles Getränk genießen zu können. Alkoholfreies oder ein Bierchen oder unser „Nationalgetränk“, den Gspritzten. Die wenigsten wissen, dass der angebliche Erfinder des Gspritzten kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe war. In der Sommerzeit saß er einmal in einem voll besetzten Gastgarten, in dem auch ein kleiner Teich mit Goldfischen war. Die Männer rund um ihn hatten dem Wein schon zu viel zugesprochen, dementsprechend laut ging es zu. Da blickte der Dichterfürst rund um sich und sagte: „Wasser allein macht stumm, das zeigen im Teich die Fische. Wein allein macht dumm, das zeigen die Herren am Tische. Weil ich weder dumm noch stumm will sein, trink ich mit Wasser vermischt den Wein.“ Und damit war der Legende nach der Gspritzte erfunden. In Anlehnung an den sympathischen Wiener Altbürgermeister Häupl könnte man an einem lauen Sommerabend sagen: Man bringe den Spritzwein Natürlich nur für Erwachsene, in vernünftiger Menge, und wenn man kein Fahrzeug lenken muss. Das soll auf keinen Fall eine Alkoholwerbung sein, sondern lediglich eine Würdigung des großen Kulturgutes unseres schönen Landes. Und eine Anerkennung all jener, die es durch ihre Arbeit möglich machen, dass wir den Wein genießen können, und in unserem Land die wunderschönen Landschaften bewundern dürfen, in denen dieses Kulturgut gedeiht. Alle Weingebiete Österreichs tragen durch die Landschaftspflege der Winzer und durch ihre Angebote in positiver Weise zum Tourismus bei.

Herbert Pigisch, Diplomsommelier, St. Pölten

Erschienen am Fr, 29.7.2022

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