Das freie Wort

Wir sind es uns schuldig!

Weihnachten steht vor der Tür. Silvester ist auch schon ganz nah. Ein Dreivierteljahr, das uns allen einiges in Form von Einschränkungen abverlangt hat, liegt hinter uns. Ein neues Jahr in Sichtweite, das wohl auch noch diverse Einschränkungen über einen längeren Zeitraum für uns bereithält, das aber auch sehr viel Hoffnung in sich birgt. Es ist diese Mischung aus vorsichtigem Optimismus und Zuversicht – ohne mich zu irgendwelchen Träumereien hinreißen zu lassen. Mir ist schon klar, dass die kategorischen Impfgegner auch im Jahr 2021 nicht zu überzeugen sein werden. Mir ist auch bewusst, dass sehr viele, die den Ernst der Lage und die gesamtgesellschaftliche Herausforderung bis jetzt nicht erkennen, das auch im nächsten Jahr nicht auf die Reihe bekommen werden. Menschliche Nähe, Umarmungen, gemütliche und äußerst lustige Abende, das Treffen mit unseren engsten Freunden. Wem bitteschön fehlt all das nicht? Die Welt dreht sich aber immer noch nicht ausschließlich um uns selbst und unsere Bedürfnisse allein. Und jetzt, in dieser herausfordernden Zeit, schon gar nicht. Es geht nicht darum, dass sich der oder die nicht dies oder jenes „wegnehmen“ lassen will. Jede zusätzliche Freiheit, die wir uns persönlich genehmigen, erhöht nun mal nicht nur die Infektionsgefahr für uns selbst, sondern auch für alle anderen, mit denen wir regelmäßig in Kontakt sind. Nein, es geht jetzt eben nicht um Eigenverantwortung. Es geht um gesellschaftliche Verantwortung. Weniger ist oft mehr. Dieses Motto hatte wohl selten eine so hohe Gültigkeit wie derzeit. Ja, dieses Weihnachten wird anders. So wie dieses Silvester anders wird. Auch zu diesen Festen sollten wir nicht alles ausschöpfen, was von der Politik erlaubt ist. Das ist schon seit dem Sommer eine ganz schlechte Idee. Wir sind es uns schuldig. Dem Gesundheits- und Pflegepersonal, das bis zum Umfallen um Menschenleben kämpft. Unseren engsten Familienangehörigen. Unseren Freunden und Bekannten. Wir sind es uns als Gesellschaft schuldig. Nein, ich habe die Hoffnung, dass wir letztlich doch noch fast alle gemeinsam an einem Strang ziehen, immer noch nicht ganz aufgegeben. Ich wünsche allen bewusste Weihnachten, einen anderen, aber dennoch freudigen Rutsch und vor allem Gesundheit!

Christian Stafflinger, Linz

Erschienen am Sa, 19.12.2020

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