Das freie Wort

Ganze Bevölkerung muss mitwirken

Jetzt hört man mancherorts von maßgebenden Persönlichkeiten, dass man von Fehlern der bisherigen Anti-Corona-Pandemie-Maßnahmen gelernt habe und solche Fehler nicht mehr machen werde. Am Ende der ersten Corona-Welle hat man richtig vergangenheitsorientiert die Zahlen der Neuinfektionen der letzten Wochen zur Grundlage der Entscheidungen genommen und beschlossen, endlich die Wirtschaft anzukurbeln. Man hat dabei aber außer Acht gelassen, dass bei Öffnung der Geschäfte, Inbetriebnahme von Fabriken, vermehrten privaten Zusammenkünften und Zunahme von Behördentätigkeiten die Kontakte unter den Menschen zunehmen. Die zukunftsorientierte Einschätzung dadurch gegebener vermehrter persönlicher Kontakte und dadurch zu erwartenden vermehrten Infektionen ist unterblieben oder vernachlässigt worden. Entsprechende vorbeugende Maßnahmen sind unterblieben. Ein wesentlicher Fehler, den es in Zukunft zu vermeiden gilt. Ich bin überzeugt, dass auch die zweite Corona-Welle durch verschärfte Anti-Corona-Maßnahmen (Lockdown) erfolgreich bekämpft wird. Bei Erreichen des vorgegebenen Ziels muss man jedoch die Folgen einer Lockerung des Lockdowns mit wieder vermehrten persönlichen Kontakten und dadurch vermehrten Infektionsmöglichkeiten bzw. vermehrten neuen Infektionen bedenken (zusätzlich Weihnachtszeit mit Verwandtenbesuchen u. a.). Wenn das Ziel erreicht ist und der Lockdown beendet wird, wird man wohl bei dem neuerlich dringend notwendigen Ankurbeln der Wirtschaft die Einschätzung der Zahl zukünftiger Neuinfektionen berücksichtigen und weiterhin ausreichende Anti-Corona-Maßnahmen beschließen – eventuell den Lockdown noch länger beibehalten – müssen. Eine dritte Corona-Welle würde die Wirtschaft schwer verkraften können. Das disziplinierte Mitwirken der ganzen Bevölkerung (z. B. Verzicht auf Weihnachtsbesuche mit Umarmungen und Küsschen) ist die Voraussetzung für den Erfolg, das Durchhalten, Leben und Überleben, bis durch erfolgreiche Schutzimpfungen die Erkrankung möglichst vermieden werden kann.

Dr. Karl Hunna, Wien

Erschienen am So, 22.11.2020

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