Das freie Wort

Gegenleistungen für mehr Arbeitslosengeld?

Fast täglich liest man über neue Förderungen und Stützungsmaßnahmen, die das Parlament beschließt, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Covid-Krise abzufedern. Was ich bei vielen Maßnahmen vermisse, ist die Gegenleistung der Geldempfänger. Natürlich hört sich das gut an, wenn der Staat das Arbeitslosengeld auf 70% erhöhen soll und auch alle Pensionisten eine volle Inflationsabgeltung bekommen sollen. Für Kulturbetriebe, die Freizeitindustrie und den Tourismus braucht es ebenfalls Staatshilfe, sonst überleben das viele Betriebe nicht. Aber kann sich der Staat (= wir alle!) das auch wirklich leisten? Bedeutet für manche das Wort „Leistungsgesellschaft“ bloß, dass wir uns alles leisten können? Mein Verständnis geht eher in die Richtung, dass die Fleißigen belohnt werden sollen und dadurch auch unser Wohlstand erhalten bleibt. Mit der Erhöhung des Arbeitslosengeldes könnte man ein Exempel starten: Jene Arbeitslosen, die 24 Stunden pro Woche (= 3 Tage) für die Allgemeinheit Tätigkeiten verrichten, bekommen 10% Erhöhung des Arbeitslosengeldes. Solche Tätigkeiten könnten z.B. die Bekämpfung von Neophyten (Ragweed, Staudenknöterich) sein oder auch Flurreinigungen, Bannwaldpflege, Unterstützung der Zivilschutzkräfte bei Naturkatastrophen, Hochwasserschutz, Lawinenverbau, Tätigkeiten im Sozialbereich, Schüler-Nachhilfe, u.v.m. Oder bleibt es das Privileg der Arbeitslosen, für den Staat nichts leisten zu müssen? Ich finde, es ist der falsche Weg, wenn man die arbeitende Bevölkerung (mit höheren Steuern) bestraft und Arbeitslosigkeit – ohne Gegenleistung – attraktiver macht. Auch das bedingungslose Grundeinkommen ist aus meiner Sicht der falsche Weg. Das Bedauern von Arbeitslosigkeit bringt der Gesellschaft rein gar nichts. Es müsste eigentlich im Interesse jeder anständigen Person in Österreich sein, dass das Wissen und Können der Menschen in unserem Land sinnvoll eingesetzt wird, um die Staatsverschuldung so gering wie möglich zu halten. Schließlich ist der Staat nicht irgendwer, sondern wir alle. Stellen wir daher unseren Wohlstand nicht aufs Spiel und packen alle gemeinsam an, damit Österreich durch Covid nicht aus der Wohlstandsbahn geworfen wird.

Horst Köllerer, Draßmarkt

Erschienen am Mo, 5.10.2020

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