Das freie Wort

Wien ist anders

Dieser auch in der Provinz bekannte Werbespruch der Bundeshauptstadt hat selten so viel Wahrheitsgehalt wie jetzt in der Vorwahlzeit. Bekanntlich wählt Wien im Oktober den Gemeinderat, und durch die zur Wahl stehenden Wahlwerber wird das Anderssein besonders augenscheinlich. Für Türkis stellt sich Finanzminister Gernot Blümel der Wahl. Ob er nach geschlagener Wahl tatsächlich in die Stadtpolitik wechselt, macht er vom Ergebnis abhängig. Ist dieses nicht gut genug, bleibt er weiterhin als Finanzminister in der Bundespolitik. Für die Liste von Strache geht der Namensgeber persönlich ins Rennen und hofft auf den Einzug in den Gemeinderat. Er setzt auf das Vergessen der Wähler. In Ibiza hat er sich selbst um Ehre und Vertrauen geredet, was ihm später als Vizekanzler zum Verhängnis wurde. In selbstgefälliger Überheblichkeit genehmigte er sich Privilegien und Spesenersatz, seine Partei finanzierte dies über Jahre hinweg großzügig. Das Fehlen jeglichen Schuldbewusstseins und seine moralische Verantwortungslosigkeit bewogen ihn dazu, sich neuerlich um ein politisches Mandat zu bewerben. Mit der Vizebürgermeisterin Birgit Hebein sind die Grünen bereits in der Stadtregierung und würden dies natürlich auch weiterhin gerne bleiben. Hebeins Ideen für ein lebenswertes Wien beschränken sich auf die Platzierung eines Swimmingpools mitten im Wiener Verkehrsgewühl und auf die beabsichtigten rigorosen Geschwindigkeitsbeschränkungen. Mit Dominik Nepp stellt sich der Nachlassverwalter der Freiheitlichen Partei zur Wahl. Sein Programm ist die vehemente Abgrenzung von H.-C. Strache, der bis vor Kurzem als Heilsbringer in der nun durch Dominik Nepp geführten Partei uneingeschränkte Handlungsvollmacht hatte. Von den übrigen kleineren wahlwerbenden Parteien sind die Spitzenkandidaten und ihre Vorstellungen kaum bekannt. Bleiben nur mehr die regierenden Sozialdemokraten unter Bürgermeister Michael Ludwig. Angesichts der Mitbewerber ist seine Wahlwerbestrategie, einfach ruhig und sachlich zu bleiben und den Wahltermin kommen zu lassen. Und da haben dann die Wähler wirklich die Qual der Wahl. Angesichts des beschriebenen Angebotes wird die Stimmabgabe für viele Wähler wohl zur echten Herausforderung. Der bekannte Werbespruch, wonach Wien anders sei, könnte nicht eindrucksvoller dargestellt werden als durch die nähere Betrachtung der um das Vertrauen der Wähler kämpfenden Wahlwerber.

Franz Peer, Linz

Erschienen am So, 13.9.2020

Kommentare Banner - Die Stimme Österreichs

Willkommen in unserer Community! Eingehende Beiträge werden geprüft und anschließend veröffentlicht. Bitte achten Sie auf Einhaltung unserer Netiquette und AGB. Für ausführliche Diskussionen steht Ihnen ebenso das krone.at-Forum zur Verfügung. Hier können Sie das Community-Team via unserer Melde- und Abhilfestelle kontaktieren.

Hinweis in eigener Sache: Das krone.at-Forum präsentiert sich ab sofort in neuem Design! Wir freuen uns über konstruktives Feedback. Damit die Diskussionen in den Kommentarbereichen beim jeweiligen Thema bleiben, können Sie uns Rückmeldungen hier hinterlassen.

Weitere Leserbriefe
25.10.2026Datum auswählen
Elternverantwortlichkeit ist einzufordern!
Die kürzlich publizierten Aussagen des Wiener Polizeipräsidenten Pürstl zur grassierenden Kinder- und Jugendkriminalität erwecken den Eindruck, dass ...
Martin Krämer
Erderwärmung
„Die Auswirkungen der Erderwärmung sind dramatisch“, warnt der UNO-Weltklimarat. Ein paar Grad mehr bei der Durchschnittstemperatur bedeuten eben ...
Rudolf Danninger
Gerechtfertigtes Jammern
Österreichs Haushalte verfügen über eine Billion Euro, liest und hört man in den Medien. Das hört sich aufs Erste nach viel an und wäre es wohl auch; ...
Reinhard Scheiblberger
Kunst und Kindesmissbrauch
Die Bundeshauptstadt erlebt zwei Seiten der Pädophilie. Während im Landesgericht Wien die Verurteilung des Kabarettisten „Gunkl“ erfolgt, betrachten ...
Dr. Wolfgang Geppert
„Gunkl“-Urteil
Unsere Kuscheljustiz hat wieder einmal zugeschlagen. Der Kabarettist fasste nur drei Jahre aus. Scheinbar ist Missbrauch an Minderjährigen nach wie ...
Herbert Platzer
Nicht immer nur Kritik an unserer Regierung!
Kaum ein Tag, an dem nicht zu hören ist, die Regierung müsse endlich liefern. Vertreter der Opposition, die Medien, diverse Organisationen und ...
Dr. Judith Dimmel
Polizeischülerin rekrutiert für IS
Entlassen aus der Polizeischule: Das ist zu wenig. Zurück nach Afghanistan für die ganze Familie und ein lebenslanges Einreiseverbot!
Christine Hermann
„Mei Herz schlagt rot-weiß-rot: Stolz, solang i do dahoam bin“
Wenn wir am 26. Oktober unsere Freiheit feiern, weht mehr als eine Fahne im Wind. Als Leopold Figl 1955 verkündete: „Österreich ist frei!“, jubelte ...
Alessandro Ferrari
Neutralität ist nicht verhandelbar
Andreas Mölzer, ehemaliger Abgeordneter zum Europäischen Parlament und führender Ideologe der FPÖ, hat in seiner „Krone“-Kolumne vom vergangenen ...
Peter Puster
Gedanken zum Nationalfeiertag
Im Herzen von Europa, einer Perle gleich liegt unsere Heimat, unser Österreich. Flüsse und Seen im ganzen Land, die Donau fließt wie ein glitzerndes ...
Eveline Windholz
Staatsbürgerschaft
Mit einer Initiative fordern Ex-Bundeskanzler Franz Vranitzky, Ex-Höchstrichterin Irmgard Griss und Ex-EU-Kommissar Franz Fischler, dass Kinder von ...
Franz Weinpolter
Gemeinsames vor Trennendes stellen!
Der Nationalfeiertag ist für Politiker ein guter Zeitpunkt, über die Lage in Österreich und den Umgang zwischen den politischen Fraktionen ...
Mag. Hans Rankl
Mein Österreich
Österreich ist für mich weit mehr als ein wunderschönes und lebenswertes Land. Es ist meine Heimat und steht für Werte, die nicht selbstverständlich ...
Ingo Fischer

Voriger Tag
25.10.2026Datum auswählen
Nächster Tag
Top 3
Kostenlose Spiele
Vorteilswelt

Magazine der Kronen Zeitung