Das freie Wort

Djokovic – fataler Treffer!

Die Weltöffentlichkeit im Tennissport musste mit ansehen, wie es einem Spitzenspieler, vielleicht „dem“ Spitzenspieler unserer Zeit, „gelingen konnte“, in einem Grand-Slam-Turnier disqualifiziert zu werden. Alle Tennisspielerinnen und -spieler haben das immer wieder gespürt, das Gefühl der ohnmächtigen Wut auf sich selbst und nicht etwa auf Gegner, Schiedsrichter oder Publikum; sicherlich gibt es diese Wut auch, aber sie ist nicht zu vergleichen mit der sich selbst gegenüber. Das Spiel von Novak Djokovic lebt davon, in jeder Phase des Wettkampfs die größtmögliche Kontrolle und Präzision zu haben, und wenn dies einmal nicht so gelingt, dann bricht eine ganze Welt der Selbstorganisation zusammen. Die ausgesprochene Disqualifikation aufgrund des unbeabsichtigten „Treffers“ am Hals einer Linienrichterin ist, rechtlich gesehen, abgesichert, aber es handelt sich doch um ein fahrlässiges Fehlverhalten, das sich nicht etwa gegen eine Fehlentscheidung gerichtet hat, sondern gegen sich selbst. Es spricht zwar für die Veranstalter, mit ihrer Entscheidung nicht vor der Nummer eins der Welt kapituliert zu haben, es spricht aber nicht für die Turnierorganisation, die Spieler – mehr oder weniger – in Quarantäne kämpfen zu lassen. Meiner Meinung nach hätte man die besonderen Umstände, unter denen das so große Turnier ausgetragen wird, angemessen berücksichtigen können, ja vielleicht auch müssen, damit man einerseits die Situation und andererseits die Ehre des Spielers rettet!

Dr. Norbert Klatil, Villach

Erschienen am Do, 10.9.2020

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