Pistengaudi

Mario Kart Wii

Spiele
22.04.2008 15:28
Wohl kaum ein Spiel wurde so oft kopiert und dennoch nie erreicht: "Mario Kart". Der Fun-Racer aus dem Hause Nintendo drehte erstmals auf dem SNES seine Runden, es folgten Ableger für Nintendo 64, Game Boy Advanced, GameCube und zuletzt für den DS. Mit "Mario Kart Wii" kommen nun auch endlich Besitzer der jüngsten Nintendo-Konsole in den Genuss des unterhaltsamen Rennspaßes.

Am eigentlichen Gameplay hat sich erwartungsgemäß wenig geändert: Als eine von insgesamt 26 Figuren aus dem Nintendo-Universum tritt man in Rennen gegen elf Mitstreiter an. Sieger ist logischerweise, wer als Erster die Ziellinie überquert. Im Gegensatz zu waschechten Rennsimulationen entscheidet bei "Mario Kart" jedoch nicht nur das fahrerische Können, auch ein Quäntchen Glück gehört dazu. Denn: Im Spiel verstreute Power-Ups können von den Fahrern aufgesammelt und gegen die Konkurrenz eingesetzt werden.

Viele dieser Power-Ups, wie die Bananenschale oder der Schildkrötenpanzer, sind auch in "Mario Kart Wii" wieder mit von der Partie. Lediglich der aus "Double Dash" bekannte Kettenhund sowie der anderen Fahrern Gegenstände klauende Geist haben es nicht ins Spiel geschafft. Als Entschädigung dafür spendiert Nintendo den Kart-Fans im Gegenzug jedoch drei neue Power-Ups: den Riesenpilz, den Pow-Block sowie die Gewitterwolke.

Das Riesenschwammerl lässt den Fahrer wachsen und ermöglicht es ihm, andere Gegner kurzerhand zu überrollen, während der Pow-Block das vor einem liegende Fahrerfeld kräftig durchrüttelt. Die Gewitterwolke hingegen ist eigentlich ein "Power-Down": Berührt man nicht schnellstens einen Konkurrenten, um diesen die Gewitterwolke anzuhängen, schlägt ein Blitz ins eigene Kart oder Motorrad ein.

Ja, richtig gehört: Motorrad. Obwohl das Spiel ja eigentlich das kleine Wörtchen "Kart" im Namen trägt, darf bei der Wii-Version erstmals nämlich auch auf Wheelie-machende Zweiräder zurückgegriffen werden. Wie immer gilt es bei der Wahl des fahrbaren Untersatzes die richtige Balance zwischen Beschleunigung, Höchstgeschwindigkeit und Gewicht zu finden: Kleine Fahrzeuge beschleunigen zwar sehr flott, werden jedoch sehr leicht von den schwereren Fahrzeugen abgedrängt.

Doch nicht nur bei den Fahrzeugen, auch bei der Art der Steuerung hat man die Qual der Wahl, unterstützt das Spiel doch sämtliche Controller-Varianten: Wii-Mote, Wii-Mote plus Nunchuck sowie Retro- bzw. GameCube-Controller können zur Steuerung der Karts und Bikes herangezogen werden. Für den ultimativen Spielspaß legt Nintendo dem Spiel zudem noch ein kleines weißes Lenkrad aus Plastik bei, in das sich die Wii-Mote quer integrieren lässt. Wer allerdings auf Rekorde aus ist und möglichst ohne Kollision um die Kurve steuern möchte, sollte von dieser Art zu lenken Abstand nehmen.

Massig Auswahl gibt es schließlich auch bei den Strecken. Zu 16 aus den vorigen "Mario Kart"-Titeln auf SNES, GameCube und Co. bekannten Kursen gesellen sich weitere 16 komplett neue Rennstrecken. Diese wollen in den typischen Cups des Einzelspieler-Modus jedoch erst nach und nach freigeschaltet werden - auf Wunsch sogar mit bis zu drei Mitspielern via Splitscreen. Zu viert kann man sich schließlich auch in den Battle-Modus stürzen, in dem es etwa so viele Münzen wie möglich oder die am gegnerischen Kart angebrachten Luftballons zu zerstören gilt.

Während der Einzelspieler-Modus also insgesamt wenig Neues zu bieten hat, kann "Mario Kart Wii" erstmals mit einem richtigen Online-Modus für bis zu zwölf Spieler aufwarten. Die Mitstreiter können zu diesem Zweck aus der eigenen Freundesliste, einem bestimmten Kontinent oder gleich aus Ländern der ganzen Welt rekrutiert werden. Leider lässt sich mit diesen während des Rennens nur mittels vorgegebener Textzeilen kommunizieren, dem flüssig laufenden Rennspaß tat dies im Test jedoch keinen Abbruch. 

Als echtes Gusto-Stückerl erweist sich schließlich der eigene Mario-Kart-Channel, über den sich nicht nur aktuelle Ranglisten, sondern auch Geist-Daten anderer Fahrer abrufen lassen. Unerfahrene Einsteiger können so die Fahrweise der weltbesten Spieler studieren. Das Spiel errechnet zudem anhand der eigenen Bestzeit einen passenden Rivalen - schlägt man diesen, bekommt man einen besseren Geist-Gegner zugeteilt. Optimal also, um zu trainieren und sich nach und nach an die Spitze zu kämpfen.

Rein optisch präsentiert sich "Mario Kart" für Nintendos Wii gewohnt bunt und kitschig. Zwar erreicht das Spiel nicht die Klasse eines "Super Mario Galaxy", kann aber durchaus mit einer Fülle kleiner und liebevoller Details aufwarten. Selbst bei zwölf Fahrern und Stunt-Sprüngen über die im Spiel verteilten Schanzen und Rampen läuft "Mario Kart Wii" flüssig. Der Sound passt sich dem bunten Treiben an und macht mit fröhlichen Grooves ordentlich Laune. Wer hingegen satten Motorensound sucht, ist hier definitiv fehl am Platz.

Fazit: "Mario Kart" macht, wie eigentlich nicht anders zu erwarten, auch auf Nintendos Wii eine sehr gute Figur. Die Änderungen sind zwar überschaubar, aber durchaus sinnvoll, und versprechen - so wie beispielsweise der sehr gut gelungene Online-Modus - vor allem eines: mächtig viel Spaß. Natürlich könnte die technische Präsentation besser ausfallen, aber ist man erst einmal damit beschäftigt, mit einer der kultigen Figuren unbeschadet ins Ziel zu kommen, hat man für das Geschehen abseits der Strecke ohnehin keinen Blick mehr übrig.

Plattform: Wii
Publisher: Nintendo
Krone.at-Wertung: 87%


von Sebastian Räuchle

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