Flöttl-Gutachten

Gutachter geht mit Vorstand hart ins Gericht

Österreich
17.01.2008 21:38
Man konnte den Stein förmlich poltern hören, der Wolfgang Flöttl wohl vom Herzen gefallen sein muss, als Gutachter Fritz Kleiner (Bild) sagte: "Flöttl hat das eingesetzte Kapital nicht missbräuchlich verwendet, die Transaktionen wurden korrekt abgerechnet!" Zumindest so weit sie nachvollziehbar waren. Doch das war nicht immer der Fall. Herbe Kritik gab es hingegen an Helmut Elsner und dem BAWAG-Vorstand, der vom Gutachter mächtig zerzaust wurde...

Des einen Freud, der anderen Leid - so könnte man das mit Spannung erwartete Gutachten Fritz Kleiners über das Zustandekommen des Verlustes über 1,4 Milliarden und über das Handelsverhalten Flöttls zusammenfassen. Grund zur  Freude hat Flöttl, das Leid liegt beim angeklagten Vorstand. Denn der wurde vom Gutachter mehr als einmal schärfstens kritisiert.

Mit einer Grafik stellte Kleiner die Geldflüsse zwischen BAWAG und Flöttl dar. Durchaus ironisch: Neben dem BAWAG-Logo prangte ein roter Wasserhahn, durch den symbolisierte Dollar-Zeichen in die Flöttl-Firmen, Stiftungen und Bonds rannen.

Führte Fremdfinanzierung zu Totalverlust?
Für den ersten Totalverlust in Höhe von 639 Millionen fehlen Gutachter Kleiner nicht nur Unterlagen, sondern auch eine Begründung: "Ich kann's nicht erklären, wie man in nur
16 Tagen so viel Geld verlieren kann." Bemerkenswert daran: Wie Kleiner feststellte, wurde das eingesetzte Kapital aber nicht missbräuchlich von Flöttl für seine riskanten Spekulationen eingesetzt.

Genau wegen dieses hohen Risikos dürften laut Gutachter die hohen Verluste enstanden sein, für die er auch prompt Verantwortliche findet - den gesamten BAWAG-Vorstand: "Die Verträge mit Flöttl ließen ihm jegliche Freiheit, es gab weder interne noch externe Kontrollmechanismen!" So etwa wurde laut Kleiner eine Firma mit einem Verlust-Gutachten beauftragt, die auch für Wolfgang Flöttl tätig war.

Nur Geheimhaltung hat funktioniert
Ebenso hat die Bank bei weiteren Verträgen mit Flöttl keinen eigenen Anwalt beigezogen, auch der Aufsichtsrat wurde nie informiert: "Das Einzige, was gut funktionierte, war die absolute Geheimhaltung über sieben Jahre. Ich denke aber doch, dass ein Verlust von 639 Millionen wesentlich für den Aufsichtrat gewesen wäre."

Das Geld sollte mit weiteren Spekulationen rückverdient werden. Nach Kleiners Rechnung hätten mit einem Einsatz von 250 Millionen eine Milliarde in nur einem Jahr gewonnen werden sollen, das sind 326 Prozent Rendite! Das ging freilich auch schief, und der Gutachter kritisiert: "Selbst zu diesem Zeitpunkt hielt der BAWAG-Vorstand nicht inne, es gab keine Überlegungen, welches Risiko gehen wir. Das ist eine casinoartige Vorgangsweise, aber eine Bank hat nicht ins Casino zu gehen!"

"No limits" für Wolfgang Flöttl
Zu diesem Zeitpunkt - Ende 1999 - betrug der Verlust bereits 1,1 Milliarden Euro. Kleiner: "Das waren immerhin 81% der Eigenmittel der BAWAG." In diese Phase fällt auch ein 90-Millionen-Kredit an die Flöttl-Firma "Ophelia", für den Flöttl ja am Mittwoch ein Teilgeständnis abgelegt hatte. Kleiner verwundert: "Die BAWAG gibt einer Firma, die im gleichen Protokoll mit 200 Millionen bewertet wird, 90 Millionen Kredit, damit sie nicht in Konkurs geht???"

Und sie gab Flöttl weiteres "Spielgeld": 430 Millionen, die Flöttl nach wie vor - laut Kleiner "stur" - in Yen-Spekulationen investierte. Wozu er laut Verträgen berechtigt war. Auch die von den angeklagten BAWAG-Vorständen immer wieder ins Treffen geführte "Risiko-Einschränkung" hat es laut Gutachten nie gegeben.

Elsner tobt hinter den Kulissen
Das ist offenbar zu starker Tobak für Elsner & Co. In einer kurzen Verhandlungspause zieht sich der frühere BAWAG-General in ein Hinterzimmer des Schwurgerichtssaales zurück - man hört ihn lautstark toben: "Dieses Gutachten ist eine einzige Frechheit!"

Vielleicht haben ihn die weiteren Worte Fritz Kleiners dann doch versöhnlicher gestimmt: "Es ist für mich nicht vorstellbar, dass Flöttl den Überblick über die eingesetzten Finanzinstrumente und die eingegangenen Risken aufrecht erhalten konnte"...

Doch Kontrolle gab es von der BAWAG reichlich wenig - und wenn, schildert sie Fritz Kleiner mit einem Lächeln: "Für einen der entstandenen Verluste holte man ein Gutachten ein, ausgerechnet von einem Mitarbeiter Flöttls..."

Von Gabriela Gödel und Peter Grotter, Kronen Zeitung

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