04.01.2008 15:19 |

Der Himmel brennt

Ace Combat 6 - Fires Of Liberation

Es ist schon wieder Krieg, doch diesmal wird er in der Luft ausgetragen. In "Ace Combat 6 - Fires Of Liberation" wird das Land Emmeria sprichwörtlich aus heiterem Himmel vom Nachbarland Estovakia angegriffen. Das freiheitsliebende Jagdgeschwader "Garuda" kann diese Schmach nicht auf sich sitzen lassen und schlägt mit vereinter Waffengewalt in der beliebten Arcade-Fliegerei zurück.

Da sich das Große aber stets im Kleinen widerspiegelt, steht nicht der Konflikt der beiden befeindeten Staaten, sondern das Schicksal einer Familie, deren Tochter seit dem Einfall des estovakischen Truppen als vermisst gilt, im Mittelpunkt der Geschichte. Wie es der Zufall so will, ist der Vater des Mädchens Pilot in besagtem Jagdgeschwader. In vor Kitsch nur so strotzenden, aber grafisch äußerst beeindruckenden Cutscenes erzählen die Entwickler von Namco Bandai vom Kampf des verzweifelten Vaters ("Talisman") und seines Flügelmannes "Shamrock" gegen die feindlichen Geschwader. 

Während erfahrene Spieler gleich voll in die Auseinandersetzung einsteigen können, sei Einsteigern unterdessen ein Blick in das umfangreiche Tutorial empfohlen. In der Flugschule können sich Rookies mit der Steuerung des eigenen Fliegers, der Bedienung der Waffensysteme sowie der Kommunikation mit Flügelmann oder anderen alliierten Kräften vertraut machen. Obwohl die Steuerung an sich bereits sehr einfach und übersichtlich gehalten ist, bietet "Ace Combat" ganz blutigen Anfängern alternativ noch eine auf das nötigste reduzierte Lenkung an, die Abstürze nahezu unmöglich macht.

Als frisch gebackener Pilot geht es dann schnurstracks zum kurzen und knackigen Missionsbriefing, in dem die jeweiligen Ziele der anstehenden Operation erläutert werden. Da sich eine Mission in bis zu sechs gleichzeitig ablaufende Untermissionen gliedern kann - nicht nur feindliche Flieger, sondern auch Schiffe oder Panzer geraten ins Visier - ist die im Anschluss stattfindende Wahl des fliegenden Untersatzes weit mehr als reine Prestigefrage: Unterschiedliche Flugeigenschaften der insgesamt 15 Flugzeuge wollen schließlich sinnvoll genutzt werden. Zu Beginn gilt es sich allerdings mit einer F-16 zufrieden zu geben und je nach Aufgabe mit den passenden Bomben, Raketen und anderen Gadgets auszurüsten. Wer sich das entsprechende Kleingeld erkämpft, kann bald neue Jäger sowie Waffen für sich und seinen Flügelmann hinzukaufen. 

In der Luft hat man dann nicht nur mit dem Feind, sondern vor allem mit der Orientierung zu kämpfen. Drei unterschiedliche Perspektiven - Stoßstangen-, Verfolger- und Cockpitkamera - sollen helfen, zwischen den umherschwirrenden Raketen der schier unzähligen Gegner, dem Himmel und der Erde die Übersicht zu bewahren. Mit einem Klick auf das Digitalkreuz wählt der Spieler in Folge eines der Operationsziele, welches fortan rot auf dem Radar markiert wird - und etwas mehr Struktur in das heillose Durcheinander über den Wolken bringt. Das Absolvieren eines Operationsziels bringt schließlich eine Veränderung im Gesamtverlauf der Mission mit sich, wodurch das mit 15 Missionen an sich recht kurz ausgefallene Spiel einen hohen Wiederspielwert schafft.

Nach jeder Mission kann sich der Spieler in einem Replay noch einmal an den schönsten Manövern mit Schallgeschwindigkeit erfreuen und gegebenenfalls auf der Festplatte für den nächsten "Top Gun"-Videoabend abspeichern. Wer darauf keine Lust hat, bekommt mit "Ace Combat 6" zudem noch einen Multiplayer-Part für bis zu 16 Spieler geboten. Neben einer Deathmatch- und einer Team-Deathmatch-Variante sorgt vor allem der Belagerungsschlacht-Modus, in dem zwei sich gegenüberstehende Teams die Bodeneinheiten des Feindes vernichten müssen, für frischen Wind. Zu guter Letzt wartet "Ace Combat" auch noch mit einem Koop-Modus auf, allerdings lassen sich nur zwei Missionen der Einzelspieler-Kampagne mit Freunden bestreiten.

Neben der abwechslungsreich gestalteten Einzelspieler-Kampagne und dem motivierendem Mehrspieler-Modus zeichnet sich "Ace Combat 6 - Fires Of Liberation" aber vor allem durch seine Grafikpracht aus. Wenn die Sonne zwischen den Schäfchenwölkchen kurz blendet, während zur Rechten ein Jäger in einem Feuerball aufgeht und zur Linken der Rauchschweif einer feindlichen Rakete am Fenster vorbeizieht, dann möchte man am liebsten kurz innehalten, um sich an der optischen Vielfalt und Pracht zu erfreuen. Dummerweise rütteln einen meist zischende MG-Salven und das bestimmte "Warning" der Cockpit-Stimme in diesem Moment wieder wach und lassen einen erneut in der audiovisuell packend inszenierten Schlacht über den Wolken versinken. Schade ist allerdings, dass die Kommandos nur in Englisch aus den Boxen schallen. Die deutschen Untertitel zu lesen fällt im Getümmel nämlich alles andere als leicht.

Fazit: Der neueste Teil der "Ace Combat"-Reihe wird seinem Ruf abermals gerecht und bietet dank einfacher Steuerung, aber steigendem Schwierigkeitsgrad, ausgeklügelter KI und abwechslungsreichem Missionsdesign unterhaltsame Arcade-Ballerei über den Wolken - sowohl für alte Flieger-Asse als auch blutige Anfänger. Die Geschichte voller Kitsch und Hollywood-Pathos ist zwar schier unerträglich und auch die Einzelspieler-Kampagne hätte umfangreicher ausfallen können, ein Mehrspieler-Modus sowie toller Sound und bombastische Grafik lassen darüber aber getrost hinweg sehen.

Plattform: Xbox 360
Publisher: Atari
Krone.at-Wertung: 89%

von Sebastian Räuchle

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