08.12.2007 12:04 |

Lehrer-Ausbildung

Kontroverse um gemeinsame Lehrer-Ausbildung

Zu der von SPÖ-Bildungsministerin Claudia Schmied vorgeschlagenen Vereinheitlichung der Ausbildung von AHS- und Hauptschullehren gibt es innerhalb der ÖVP Differenzen zwischen Bildungssprecher Fritz Neugebauer und der Wiener VP-Bildungssprecherin Katharina Cortolezis-Schlager. Während Neugebauer eine Vereinheitlichung ablehnt, befürwortet Cortolezis-Schlager eine "gleichwertige Ausbildung" und unterstützt die Bildungsministerin voll.

Neugebauer hatte im ORF-Radio am Samstag erklärt, die pädagogischen Universitäten hätten jetzt ihre intensiven Vorbereitungsarbeiten gestartet. Es wäre nicht gescheit zu vermitteln, "euch gibt es in fünf Jahren nicht mehr. Das soll man anlaufen lassen und die Erfahrungen nach einiger Zeit evaluieren".

Cortolezis-Schlager erklärte, es sei "wichtig, dass künftig die Hauptschullehrer auf dem gleichwertigen akademischen Niveau wie ihre AHS-Kollegen ausgebildet werden". Es sei "für Wien nicht denkbar, dass langfristig hier nicht die volle Gleichwertigkeit in der Ausbildung gegeben ist. Würde man das machen, würde man im Wiener Raum den Hauptschulen die Zukunft verunmöglichen".

Uneinigkeit in der ÖVP über Lehrerausbildung
Dann hätte es erst recht keinen Sinn, diese Lehrer auszubilden. "Daher muss es für den gesamten Pflichtschulbereich die Durchlässigkeit geben. Es muss auf den pädagogischen Hochschulen die Forschung ausgebaut werden". Die Zusammenarbeit zwischen der Universität Wien und den beiden pädagogischen Hochschulen sei "sehr gut". Der Bachelor der Pädagogischen Hochschulen müsse künftig in vollem Umfang auch von der Universität anerkannt werden, fordert Cortolezis-Schlager. Jedenfalls "von meiner Seite gibt es volle Unterstützung für Bildungsministerin Schmied, mitzuhelfen, dass künftig eine gleichwertige Ausbildung der Pflichtschullehrer und AHS-Lehrer gegeben ist".

Neugebauer dagegen meinte, "wenn wir Gymnasialprofessoren ausbilden, dann nicht für die 10- bis 14-jährigen, sondern für die 10- bis 18-jährigen. Das heißt, der Stufenlehrer ist nicht wirklich der Weisheit letzter Schluss". Sollte in zehn bis 15 Jahren eine weitere Entwicklung in der Lehrerausbildung stattfinden, werde man die Assets aus den Universitäten mit dem starken fachwissenschaftlichen Ausbildungssegment mit Praxis, Methode und Didaktik im Vordergrund zusammenführen müssen.

Sympathien kann Neugebauer dagegen für den Wunsch von Schmied nach Eignungstests für angehende Lehrer aufbringen. "Die Besten auszusuchen, die eine starke Hinwendung zu Jugend haben, die hervorragend ausgebildet sind, ist eigentlich ein Gebot der Stunde". Cortolezis-Schlager hatte zuletzt gemeint, es gebe keine Notwendigkeit einer Zugangsbeschränkung für die Lehrer-Ausbildung an den Universitäten, allerdings habe sie nichts gegen Orientierungsgests für angehende Studenten.

Grüne: "Blockieren um des Blockierens Willen"
Der Grüne Bildungssprecher Dieter Brosz hat dem ÖVP-Bildungssprecher Fritz Neugebauer eine Blockade gegenüber vernünftigen Vorschlägen zur Weiterentwicklung des Schulsystems vorgeworfen. "Blockieren um des Blockierens Willen scheint das Motto der Bundes-ÖVP zu sein. Die Berufsperspektiven der Hauptschullehrer sind dem obersten Beamtengewerkschafter offenbar völlig egal," so Brosz in einer Aussendung.

Trotz des gleichen Lehrplans für 10- bis 14jährige werden AHS- und HauptschullehrerInnen unterschiedlich ausgebildet. Europaweit ernte Österreich für dieses "isolierte Modell Kopfschütteln". Die ÖVP versuche jede Hürde für eine gemeinsame Schule wie die getrennte Ausbildung um jeden Preis aufrecht zu erhalten, "auch wenn noch so viel Geld in die dadurch erforderlichen Doppelstrukturen fließt," kritisiert Brosz. "Die gemeinsame Lehrerausbildung wird schon aus demographischen Gründen kommen, da kann sich Neugebauer auf den Kopf stellen", meint der Grüne Bildungssprecher.

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