26.11.2007 21:56 |

BAWAG-Prozess

Zwettler bekennt sich teilweise schuldig

"Augen zu und durch" - das war das Motto Johann Zwettlers während der verlustreichen BAWAG-Zeiten als Vorstand. "Augen auf und durch" hieß es am 53. Prozesstag, als er, als erster der neun Angeklagten, ein teilweises Geständnis ablegte. Sichtlich bewegt, sichtlich um einige Kilo leichter: "Ich habe durch Teile meiner Handlungen die Grenzen des Strafrechts überschritten." Dann belastet er vor allem Helmut Elsner, der Vorstand und Aufsichtsrat teilweise falsch informiert haben soll. Und auch Wolfgang Flöttl habe mitgespielt. Als "bodenständiger Charakter" wolle Zwettler nun "sein Fehlverhalten" eingestehen.

Der 53. Verhandlungstag war als Tag der Routine vorgesehen: Gutachter Fritz Kleiner sollte Fragen an die neun Angeklagten stellen. Doch zu seinem Statement kam es vorerst nicht. "Gibt es Anträge oder Wortmeldungen?", fragt Richterin Claudia Bandion-Ortner. Zwettler-Anwalt Toifl meldet sich: "Herr Zwettler möchte eine Erklärung abgeben." Allgemeine Überraschung. Und kurz darauf blankes Erstaunen – bei manchen könnte man auch von Entsetzen sprechen – , denn die Erklärung hatte es in sich.

Man merkt, Johann Zwettler ringt nicht nur um Worte – und beginnt mit seiner Jugend: "Ich bin von Natur aus ein Kämpfertyp, das liegt an einer schweren Erkrankung." Zwettler litt mit 14 an Kinderlähmung und war dem Tod näher als dem Leben: "Von da an hatte ich immer ein Ziel vor Augen." Damals wie auch später in den verlustreichen BAWAG-Zeiten hieß es schlicht: "Überleben."

Vor allem mit der Frage, wie mit den gewaltigen Verlusten umzugehen sei, für die er jetzt teilweise selbst eine strafrechtlich relevante Mitschuld übernimmt. Konkret für die Zeit zwischen Oktober 98 und Ende 2000: „Es war mir klar, dass für die Bank ein hohes Risiko bestand. Elsner hat dem Aufsichtsrat weder vollständig noch vollinhaltlich berichtet. So wurde über den Kauf von japanischen Staatsanleihen geredet, um einen sicheren Eindruck zu erwecken. Dieser Eindruck war falsch. Ich widersprach dieser Berichterstattung nicht.“

"Hätte Flöttl kein Geld geben dürfen"
Ebenfalls klar sei ihm gewesen, "dass ich als Vorstandsmitglied Flöttl kein weiteres Geld hätte geben dürfen. Auch ich habe mich zunächst auf die Sicherheiten wie Gemälde und Immobilien eingelassen, wenn mir auch klar war, dass ein außerordentlicher Glücksfall eintreten hätte müssen, wenn sich die tatsächlichen Werte in den Schätzungen annähern sollten. Ich bin nicht aufgestanden und habe die Stopp-Taste gedrückt. Ich hätte das aber tun müssen! Augen zu und durch, das war falsch! Ich hätte den Mut aufbringen müssen, aufzustehen und Nein zu sagen. So kam es zu einem weiteren Schaden für die Bank."

"Das lag an Elsners Führungsstil"
Auch seien "Gelder im Kreis geschickt worden, um Großveranlagungsgrenzen zu vermeiden und Verluste zu verschleiern." Warum er nicht Stopp sagte? "Das lag an Elsners Führungsstil." Zu den Folgen daraus findet Zwettler knappe Worte: "Die Bilanzen der Jahre 1999 und alle weiteren sind falsch."

Was seine ehemaligen Vorstandskollegen dazu sagen, bekommt Zwettler nicht mit. Nach seinem Teilgeständnis verlässt er, sichtlich bewegt, den Saal. "Ändert sich nun etwas an Ihrer Verantwortung?" will die Richterin von den Angeklagten wissen. Nein, sagen alle bis auf Elsner. Ihn stimmen die Aussagen Zwettlers "nachdenklich". Um prompt den Schwarzen Peter gleich Wolfgang Flöttl zuzuschieben: "Es beruhte alles auf seinen Angaben, die Werte sind von Flöttl genannt worden. Ich war sicher zu gutgläubig, das mag sein." Einen Seitenhieb Richtung Zwettler kann er sich nicht ersparen: "Und zur Bilanz kann ich nichts sagen, dafür war ich nicht zuständig." Trotzdem will Elsner nun "nachdenken"…

von Gabriela Gödel und Peter Grotter, Kronen Zeitung

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