Islamisten-Video

Platter wehrt sich gegen Vorwürfe

Österreich
21.11.2007 14:46
Nach dem Auftauchen eines gegen Österreich und Deutschland gerichteten Drohvideos - das auf krone.tv in voller Länge zu sehen ist -, muss sich Innenminister Platter gegen Vorwürfe von Justizministerin Berger verteidigen. Berger hatte gemeint, unzureichend über den Inhalt des Videos informiert worden zu sein. Für Platter ist diese Kritik "nicht nachvollziehbar". Es gebe in solchen Fällen ein "klares Procedere" an das er sich gehalten habe. Platter bestätigte zudem die Echtheit des Videos. Die Ermittlungen seien voll im Gange. Er bekräftigte in diesem Zusammenhang erneut die Wichtigkeit der sogenannten Online-Durchsuchung.

Die „Globale Islamistische Medienfront“ hat das Drohvideo in Umlauf gebracht. Die Ersteller des Videoclips nehmen darin auch auf die Festnahme des Islamisten Mohamed M. Bezug. Sie fordern die Freilassung des in Wien Inhaftierten und seiner Ehefrau, „sonst werdet ihr es bereuen“. Laut Innenministerium, wo das Video gerade von Spezialisten auf seine Herkunft untersucht wird, sei eine Gefahr „nicht erkennbar“. In dem vierminütigen Video werden Terroranschläge gerühmt, außerdem ist von einem „Kreuzzug gegen den Islam“ die Rede.

Konkret werden in dem Video die Anschläge vom 11. September 2001 verherrlicht und die deutsche Bundesregierung angegriffen, sowie eine Winteroffensive der Taliban in Afghanistan angekündigt. Die Botschaft soll schon vor rund einer Woche fertig gestellt worden sein.

„Sechs Jahre sind vergangen seit den gesegneten Operation gegen das Herz der Kreuzfahrer und ihrer Verbündeten und die Ummah der Muslime hat seit dieser Zeit stetig an Stärke gewonnen“, sagt eine verzerrte, monoton sprechende Stimme am Beginn des aus verschiedenen qualitativ minderwertigen Fernsehausschnitten und Pressefotos aus dem Internet im Stil einer aus dem Off kommentierten Multimedia-Präsentation zusammengestellten Videos.

Die Ersteller des Videos propagieren einen erstarkten Islam und sprechen von einem „Kreuzzug gegen den Islam“, dem man gegenüberstehe: „Trotz der vielen, hunderten von Milliarden Dollar und Euro, welche die Kreuzfahrer und die Feinde des Islam in Amerika, Europa und speziell Deutschland gegen den Islam investiert haben, haben sich die aufrichtigen Geschwister nicht einen Millimeter von ihrem Diin entfernt, im Gegenteil: Der offen ausgerufene Kreuzzug gegen den Islam und gegen die Muslime, der von Bush ausgerufen wurde und von seiner europäischen und deutschen Verbündeten bestätigt wurde, hat nur zu einer Festigung der Muslime geführt.“

Platter fordert Online-Durchsuchungen
Innenminister Günther Platter (ÖVP) hat angesichts des neuen islamistischen Drohvideos gegen Deutschland und Österreich seine Forderung nach einer Online-Durchsuchung bekräftigt. Bei der Eröffnung eines Polizeikommissariats sagte Platter am Dienstag: "Wir müssen Schritt halten mit dem Terror."

„Die Mujahideen haben euch bisher verschont“
Der Sprecher des Innenministeriums, Rudolf Gollia, hatte zuvor erklärt, man sei schon seit "einigen Tagen im Besitz" des Videos. Eine konkrete Bedrohung bzw. eine Änderung der Sicherheitslage in Österreich sei aber nicht erkennbar, so Gollia. Derzeit unterziehe man den Clip einer intensiven Bewertung, in erster Linie würden sich die Drohungen aber gegen Deutschland richten. Die Spezialisten des Innenministeriums wollen vor allem die Herkunft des Clips erfahren und arbeiten auch mit Deutschland zusammen.

Österreich wird erst im letzten Abschnitt erwähnt - und zwar im Zusammenhang mit dem Einsatz des österreichischen Bundesheeres in Afghanistan sowie den Festnahmen der beiden Islamisten in Wien. Es heißt: „[...] Die Mujahideen haben euch bisher verschont, deshalb ist die Zahl eurer getöteten Soldaten nicht besonders hoch. Doch dies wird bald anders sein, da die Taliban eine Winteroffensive angekündigt haben, und diese Offensive erstreckt sich auch auf den Norden.“

In der letzten Sequenz des Videos, in der die Köpfe der Bundesregierung gezeigt werden, heißt es: „Abschließend richten wir noch einige Worte an die österreichische Regierung: Wir fordern euch auf, die in Wien festgenommenen Geschwister sofort freizulassen, sonst werdet ihr es bereuen dass [sic!] ihr es gewagt habt, Muslime in eure Gefängnisse einzusperren!“

„Wollen nur großen Wirbel schlagen“
Eine konkrete Bedrohung bzw. eine Änderung der Sicherheitslage in Österreich sei nicht erkennbar, beruhigt Gollia. Man habe man aber die Mitglieder der Bundesregierung von der Existenz des Videos verständigt, damit diese „letztendlich dieses nicht aus den Medien erfahren müssen“. Hinweise, woher das Video kommt sowie auf dessen Urheber gibt es noch keine. Man stehe aber stets in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Bundeskriminalamt, so Gollia, der den Urhebern eine „ganz gute PR“ attestierte. „Offenbar sind die Produzenten des Videos daran interessiert, einen großen medialen Wirbel zu schlagen“.

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