Das Introvideo lässt den Gamer erstmal schmunzeln, denn Herr der Ringe lässt grüßen: Sowohl die Landkarte, die von dunklen Heerscharen überzogen wird, als auch die Erzählweise haben frappierende Ähnlichkeit mit der Fantasyreihe. Kurz zusammengefasst muss Targon, der dem Orden der Heiligen Flamme angehört, die "Hand Gottes" finden, ein magisches Artefakt, dass das Tor zur Dämonenwelt für immer verschließen kann.
Wie bereits erwähnt wird er jedoch gleich zu Beginn von einer Unzahl böser Geister in den Abgrund katapultiert. Aufgeweckt aus dem bitteren Schlaf wird er von der Lichtelfe, der Jungschauspielerin Cosma Shiva Hagen ihre Stimme geliehen hat. Die Kommentare der flatternden Begleiterin, die mit dem Mauszeiger bewegt wird und als dynamische Lichtquelle in dunklen Dungeons dient, sind allerdings von Beginn an nervig - um nicht zu sagen peinlich. "Guck mal, das ist doch ein viel schöneres Schwert als deines" etwa ist als Kommentar wirklich entbehrlich.
Da der Spieler die Lichtelfe allerdings nicht in den Wind schießen kann, bleibt sie an Targons Seite und los geht der Erkundungszug. Dabei durchstreift der Titelheld riesige Ländereien, immer auf der Suche nach neuen Ausrüstungsgegenständen, Zaubertränken und dem Levelaufstieg. Von Beginn an steht das Metzeln von wahren Monsterhorden im Mittelpunkt des Games. Das Kampfsystem ist dabei einfach gestaltet - die Maustasten werden mit dem herkömmlichen und Spezialangriffen belegt. Welche das sind, entscheidet der Spieler am Anfang, denn zehn verschiedene Klassen vom Kampfmagier über den Kämpfer und Dieb oder Heiler stehen zur Auswahl. Zwei davon darf der Spieler kombinieren und so seinen Lieblingstalenten freien Lauf lassen.
Targon erhält genreüblich diverse Haupt- und Nebenquests, die auf unterschiedliche Art und Weise erledigt werden können - meist steht der Spieler vor der Wahl, gut oder böse zu agieren. So muss er etwa zu Beginn den Sohn einer Bäuerin aus der Hand fieser Goblins retten - gegen Bezahlung oder umsonst. Direkte Auswirkungen haben diese Entscheidungen selten, deshalb tragen sie kaum zur Identifikation mit der Spielfigur bei.
Die Quests sind dafür erfreulich abwechslungsreich, leider gibt es in den riesigen Gebieten, die hauptsächlich von unzähligen Monstern und Dämonen bewohnt werden, ein paar zu wenig. Hilfreich beim schnelleren Durchqueren der Ländereien ist das Teleportationssystem. Die Teleportersteine dienen erstens als Wiederbelebungspunkt im Fall von Targons Ableben, außerdem kann er zwischen ihnen hin- und herreisen.
Ein Lob gebührt den Entwicklern für die grafische Umsetzung von "Legend", denn die Umgebung ist schön anzusehen und die dynamischen Kampfanimationen, die je nach Größe der Gegner variieren, sind ebenfalls ein Augenschmaus.
Fazit: Leider kann "Legend - Hand of God" in Punkto Storytiefe nicht mit der gelungenen Grafik mithalten - außerdem mangelt es dem Action-Rollenspiel an Innovationen, es wirkt über weite Strecken abgekupfert. Wer gern Monster metzelt, seinen Fähigkeitenbaum ausbaut und Ausrüstungsgegenstände sammelt - typisch Action-Rollenspiel eben - und mit einer nervigen Lichtelfe leben kann, die schöne Effekte in dunkle Dungeons zaubert, der ist mit dem Game dennoch gut bedient.
Plattform: PC
Publisher: dtp/anaconda
Krone.at-Wertung: 75%
von Bernadette Geißler
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