06.11.2007 07:23 |

BAWAG-Prozess

Ruth Elsner: "Mein Mann war vollkommen fertig"

Es war ein beeindruckendes Plädoyer für ihren Mann, das Ruth Elsner (50) am Montag dem Gericht geboten hat. Mehrmals ersucht sie eindringlich um dessen Freilassung. Dann erzählt sie launig von gemeinsamen Urlauben mit Wolfgang Flöttl und dessen Ehefrau Anne Eisenhower. Und von einer Geburtagsüberraschung von Fritz Verzetnitsch.

Ruth Elsner betritt, in dezentem dunkelgrauem Rock und Pullover, den Zeugenstand. Sie erzählt dann, dass sie ihren Mann 1988 geheiratet hat, als dieser noch Vorstandsmitglied war. Erste Kontakte gab es schon früher, als sie noch im Kassensaal der Bank-Zentrale gearbeitet hatte.

Dort sah sie Wolfgang Flöttl auch erstmals. Näher kennen gelernt hat sie ihn aber erst, nachdem ihr Mann 1995 zum Generaldirektor gekürt worden ist: Es gab gemeinsame Urlaube in Flöttls Häusern auf den Bahamas und auf Bermuda. Dabei bestreitet sie Flöttls Behauptung, dass sein Privatjet extra für ihren Hund auf den Azoren zwischen landen musste: "Den haben wir auf Urlaub gar nicht mitgenommen."

Sie erinnert sich auch gut an den Oktober 1998 und den Dezember 2000, die Zeiten der großen Spekulationsverluste. Beim ersten Datum habe Wolfgang Flöttl "mit eigenartiger Stimme" auf dem Anrufbeantworter in Elsners Wiener Wohnung um Rückruf gebeten. Sinngemäß habe Flöttl gesagt: "Helmut, ruf mich in New York an." Das habe sie auch ihrem Mann gesagt.

"Mein Mann war vollkommen fertig"
Beim darauffolgenden Gespräch sei sie nicht dabei gewesen, erst danach habe sie ihn gefragt, was los sei. "Du kannst es dir nicht vorstellen, das ganze Geld ist weg", habe ihr Mann gesagt. "Mein Mann war vollkommen fertig", so Ruth Elsner. Sie habe aus der "Blässe" und Körpersprache gewusst, dass etwas ganz Schreckliches passiert ist. Er habe versucht, andere Vorstandskollegen zu erreichen und sei so rasch wie möglich nach New York geflogen.

Ähnlich sei es im Jahr 2000 gewesen, bei einem Treffen in London: "Wir wollten in die Oper gehen, aber dann kam mein Mann ins Zimmer, bleich wie die Wand, und sagte: ,Es ist etwas Furchtbares passiert.’"

Mit dem früheren Aufsichtsratschef der BAWAG, Günter Weninger, habe es ebenfalls Privatkontakte gegeben: einmal einen Urlaub in Tirol, als der Gewerkschafter Golf spielen lernte. Weninger, Verzetnitsch und das Ehepaar Tumpel hätten sich auch zum 70. Geburtstag Helmut Elsners im Jahr 2005 eine Überraschung ausgedacht: "Sie riefen an und sagten, sie kommen an dem Tag mit dem Frühstück vorbei. Ich meinte: ,Vorbeikommen könnt ihr, aber das Frühstück mache ich selber.’"

Dann bittet Ruth Elsner mehrmals um Freiheit für ihren Mann. Und sie sagt: Als ihr Mann 2006 nicht zu einem Verhör nach Wien kam, habe er sich diesem nicht entziehen wollen. Er sei vielmehr schwer krank gewesen.

Verhandlungspause im Dezember
Am Dienstag gehen die Zeugenbefragungen im BAWAG-Prozess weiter. Im Zeugenstand stehen am 47. Verhandlungstag die BAWAG-Mitarbeiterin Renate Zartler-Schwob und Direktor Hermann Ziegler, pensionierter Chef der BAWAG-Bilanzabteilung.

Bis Ende November wird heuer in dem Mega-Wirtschaftsverfahren um einen Schaden von laut Anklageschrift 1,44 Milliarden Euro noch verhandelt, im Dezember ist dann Verhandlungspause. Mitte Jänner 2008 soll der Sachverständige Fritz Kleiner sein Gutachten präsentieren.

Von Peter Grotter, Kronen Zeitung und krone.at

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