Ein Mordsspaß

CSI: Eindeutige Beweise

Spiele
04.11.2007 21:13
Ein Mord in einem dreckigen Hinterhof Las Vegas'. Das Opfer: Ein Homosexuelle hassender Taxifahrer, dem die Kombination aus Terpentin und Streichholz nicht allzu gut bekommen ist. Die Verdächtigen: Ein Obdachloser sowie ein lesbisches Künstlerpärchen mit einer Vorliebe für Feuer. Doch wer ist der Mörder? Das zu klären ist die Aufgabe des CSI-Teams in "Eindeutige Beweise".

Jeder der insgesamt fünf Mordfälle - das unterhaltsame Tutorial mit der Suche nach einem gestohlenen Donut exklusive - beginnt mit der Begehung des Tatorts. Unerlässlicher Helfer bei der Suche nach jedem noch so kleinen Hinweis: der "Detektiv"-Koffer. Hier findet der clevere CSI-Beamte alles, was er für die Spurensicherung braucht, um etwa den Tatort zu fotografieren, Fingerabdrücke zu nehmen, Gipsabdrücke zu machen oder DNA- und Blut-Proben zu sammeln.

Sind alle Beweise registriert und eingetütet, geht es für die genauere Untersuchung ins Labor. Hier können DNA-Strukturen oder Textilproben miteinander verglichen werden, chemische Substanzen eindeutig analysiert, Video-, Bild- und Tonmaterial ausgewertet oder die Fingerabdruck-Datenbank nach einschlägig bekannten Tätern durchsucht werden. Bringt einen auch das nicht weiter, lohnt vielleicht ein Besuch beim Gerichtsmediziner in der Obduktion oder in der Garage, wo große Beweisstücke wie Autos in ihre Einzelteile zerlegt und akribisch genau untersucht werden können.

Doch das CSI-Dasein beschränkt sich nicht nur auf trockene Laborarbeit. Nach der Beweisaufnahme sind die Verdächtigen dran, die sich entweder kooperativ zeigen und bereitwillig aussagen, oder einer beim Boss beantragten Vorladung bedürfen, um im Verhörzimmer in die Mangel genommen zu werden. Verstrickt sich einer der Verdächtigen in Widersprüche, genügt meist ein Antrag beim Richter, um einen Durchsuchungsbefehl zu erwirken. Weitere Beweisstücke kommen so zusammen, bis sich das Puzzle Stück für Stück zusammensetzt und der Mörder gefunden ist.

Was in der Theorie durchaus spannend klingt, erweist sich in der Praxis als strikt lineares und wenige Freiheiten bietendes Spiel. Ob Tatort, Labor oder Wohnung eines Verdächtigen: Jeder Schauplatz lässt sich nur auf vorgegebenen Bahnen durchschwenken, nur vereinzelt kann bei auffälligen Stellen näher herangezoomt werden. Wo es etwas zu entdecken gibt, erkennt der Spieler auf einen Blick, verändert sich doch der Cursor zur näheren Untersuchung in ein Werkzeugkasten-Symbol. Auch die Wahl des richtigen Werkzeuges, ob etwa Pinzette oder Gummihandschuhe zum Einsammeln eines Beweisstückes, übernimmt das Spiel. Alle anderen Spurensicherungswerkzeuge lassen sich schlichtweg so lange nicht benutzen, bis das richtige gefunden wurde.

Deppeneinfach sind schließlich auch die Untersuchungen im Labor: Die entsprechenden Geräte - alle übrigens von HP gesponsert - blinken bereits aus der Ferne gut sichtbar, um zu signalisieren "Hier geht es weiter". Das darauf folgende Vergleichen von Proben ist dann meist nur noch eine Frage von wenigen Sekunden. Keine kniffligen Rätsel, kein Zeitdruck. Wer dennoch einmal nicht weiter wissen sollte, weil etwa ein Beweis übersehen wurde, kann ja immer noch den zur Seite gestellten Partner um Rat fragen.

Er ist es dann auch, der die notwendigen Schlüsse zieht und das Denken übernimmt, während man selbst in den an sich eigentlich interessanten Verhören einfach so lange redet, bis keine Antworten mehr vorhanden sind. Auswahlmöglichkeiten gibt es nämlich nicht, schließlich stellen CSI-Ermittler immer nur die eine, weil richtige Frage. Dass persönlich falsch angestellte Vermutungen möglicherweise Auswirkungen auf den Spielverlauf hätten, gibt es nicht.

Zu guter Letzt wäre noch die Frage nach der Optik von "CSI: Eindeutige Beweise" zu beantworten. Auch hier muss leider gesagt werden, dass diese bestenfalls Mittelmaß ist. Obwohl man es mit statischen Schauplätzen zu tun hat, wirken die Räume allesamt sehr detailarm und steril. Fast schon peinlich ist es dann, wenn man nach dem Lösen des zweiten Falles in Mordfall Nummer drei auf einen nahezu identischen Raum stößt: gleiche Raumaufteilung, gleiche Möbel, gleiche Tapeten und Teppiche. Nur ein paar Accessoires wurden anders positioniert.

Trotz des vorherrschenden Minimalismus dauern die Übergänge zwischen den Schauplätzen erstaunlich lange. Selbst in den Verhören kommt es beim Frage-Antwort-Spiel immer wieder zu Aussetzern und Rucklern.

Lobend erwähnt werden müssen jedoch die ausgezeichnet geschriebenen und von den Original-Stimmen in Englisch (komplett deutsch untertitelt) gesprochenen Dialoge. Wenigstens hier ist es den Machern gelungen, so etwas wie Suspense und Spannung aufzubauen.

Fazit: Ein Mordsspaß also? Wohl eher nicht. Eine Partie "Cluedo" ist aller Wahrscheinlichkeit nach spannender als "CSI: Eindeutige Beweise", verlangt es vom Spieler doch die Gabe, verschiedene Hinweise zu verknüpfen, um so den Mörder ausfindig zu machen. "CSI: Eindeutige Beweise" nimmt hingegen die Zügel selbst in die Hand, und lässt dem Spieler wenig bis gar keine Gelegenheit, den eigenen Detektivsinn einzusetzen. Man spielt nicht, sondern wohnt einem interaktiven Film bei. Der lineare Spielverlauf, lange Ladezeiten und eine nur mäßige Optik machen "CSI: Eindeutige Beweise" somit bestenfalls für Fans der TV-Serie interessant.

Plattform: Xbox 360 (getestet), PC, Wii
Publisher: Ubisoft
Krone.at-Wertung: 63%


von Sebastian Räuchle

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