Do, 21. Juni 2018

Zutiefst politisch

30.10.2007 16:30

Tamagotchi Party On!

Es gibt Ballerspiele, Sportspiele, Rennspiele, Rollenspiele, Jump'n'Runs und Beat'em Ups. Und dann wäre da noch "Tamagotchi Party On!", ein zutiefst politisches Spiel, von dem so mancher Politiker hierzulande noch eine Menge lernen könnte.

Die Hoffnung, dass sich mit "Tamagotchi Party On!" ein virtuelles Haustier auf der Nintendo-Konsole einfindet, das es zu hätscheln und zu pflegen gilt, wurde leider nicht erfüllt. Mit den eiförmigen Schlüsselanhängern, die Eltern und Lehrer Mitte der 90er Jahre in den Wahnsinn trieben, hat das Spiel bis auf den Namen nämlich  nichts gemein - was allerdings kein Schaden sein muss.

"Tamagotchi Party On!" ist auf der einen Seite ein typischer Vertreter jener Art japanischer Spiele, in denen es möglichst bunt und schrill zur Sache geht, auf der anderen Seite ist es ein Ableger eines bis dato weitestgehend vernachlässigten Genres: das der Polit-Games. Dreht sich doch - wenngleich nur oberflächlich behandelt - alles um den Aufstieg der eigenen Spielfigur zum Präsidenten des Tamagotchi-Landes.

Um den bekanntermaßen steinigen und schweren Weg an die Spitze und ins höchste Amt des Staates zu bewältigen, braucht es vor allem zwei Dinge: viel Geld und Beliebtheit beim Volk. Um beides zu erhalten, gilt es in feinster Brettspiel-Manier mit seiner Spielfigur durch die verschiedenen Stadtteile zu laufen und auf Geld- und Wählerstimmenfang zu gehen.

Da dem Spieler bis zum Urnengang jedoch nur sieben Tage bleiben, sollte man sich damit sputen. Neben diversen Ereignis-Feldern oder einem Shop-Feld, mit dessen Hilfe man die eigene Parteizentrale verschönern kann (das nötige Kleingeld vorausgesetzt), sollte man vor allem auf die "Gotchi"- und Minispiel-Felder ein Auge werfen.

Bei Ersteren handelt es sich um sehr simple, lediglich mit dem digitalen Steuerkreuz zu bewältigende Spielchen, wie etwa Schere-Stein-Papier, die das Konto aufbessern. Minispiele sind hingegen genau das, was der Name vermuten lässt. Sie bringen dem Spieler Beliebtheitspunkte ein - etwa wenn man die Straßen von Unrat befreit, Eiscreme verteilt, Blumen in öffentlichen Parkanlagen gießt oder den Wählern fleißig die Hände schüttelt. Dank Einsatz der Wii-Mote darf bei diesen Disziplinen nach Herzenslust gerüttelt, geschüttelt, geschwenkt oder gedreht werden.

Dass "Tamagotchi Party On!" trotz des originellen Ansatzes und der unterhaltsamen Minigames nicht so richtig Partystimmung aufkommen lässt, ist einem kleinen, aber entscheidenden Fehler zuzuschreiben: Die Züge der KI-Gegner lassen sich nur bedingt abkürzen. Wer nicht das Glück hat, gemeinsam mit vier Freunden spielen zu können, muss den Konkurrenten beim Würfeln und Vorrücken zusehen. Einzelspieler langweilen sich zu Tode, ehe sie erneut losziehen dürfen. Der Spielfluss - und somit der Spaß - wird entscheidend gebremst.

Glücklicherweise besteht über das Hauptmenü jedoch auch die Möglichkeit, sämtliche Mini- und Gotchi-Spiele direkt auszuwählen. Leider ist die von den Entwicklern spendierte Anzahl an Spielchen recht überschaubar: Mit zehn Gotchi- und 15 Minispielen fällt der Spielumfang eher mager aus. Die Langzeitmotivation dürfte darunter leiden.

Zu guter Letzt wären da noch der grafische und der akustische Aspekt, an dem sich mit Sicherheit die Geister scheiden werden: Wer auf bunte Optik und brabbelnde Figuren in einer Mischform aus 2D- und 3D-Grafik im Minimalismus-Look steht, der wird an "Tamagotchi Party On!" mit Sicherheit Gefallen finden. Wer schon mit "Loco Roco", "We Love Katamari" oder etwa "Parappa The Rappar" nichts anzufangen wusste, der sollte auch von diesem Spiel die Finger lassen. 

Fazit: Gute Ansätze, stark verbesserungswürdige Umsetzung - so lässt sich "Tamagotchi Party On!" wohl am treffendsten beschreiben. Die Idee, die Wahl zum Präsidenten zu thematisieren, gehört sicherlich zu den originelleren der jüngeren Zeit. Da das Überspringen der gegnerischen Züge jedoch nicht möglich ist, gerät der Spielspaß gerade für Einzelspieler schnell ins Stocken. Wer jedoch immer vier Freunde zur Hand hat und sich zur Gruppe der jüngeren oder auch Casual Gamer zählt, darf sich gerne für das Amt des Präsidenten bewerben.

Plattform: Wii
Publisher: Atari
Krone.at-Wertung: 65%


von Sebastian Räuchle

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