So, 24. März 2019
04.10.2007 16:30

Es wuselt wieder

Die Siedler - Aufstieg eines Königreichs

Jenes Spiel, das das Wort Wuselfaktor zum Indikator für knuddelige Aufbau-Unterhaltung populär machte, ist zurück: Im sechsten Teil arbeiten "Die Siedler" am "Aufstieg eines Königreichs" - der Name ist Programm.

Viel Kritik mussten die Entwickler für Teil V der Siedler-Serie einstecken: zu kriegerisch, zu komplexe Wirtschaftskreisläufe waren die Hauptbeschwerdepunkte der wusel-verwöhnten Community. Quasi als Versöhnung wurde das Ur-Spiel mit neuer Grafik unter dem Titel "Die Siedler II - Die nächste Generation" wieder aufgelegt (Spiele-Test siehe Infobox!).

Schon bei der Präsentation des sechsten Teils auf der Games Convention diesen Sommer war klar: Die Entwickler legen großen Wert darauf zu betonen, dass sie sich die Kritik zu Herzen genommen haben - und das neue Spiel mehr auf Aufbau und Dahinsiedeln Wert legt als auf den kriegerischen Part.

Die Umsetzung dieser Vorhaben ist zumindest in Bezug auf den militärischen Teil gelungen: die Einheiten wurden auf ein Minimum zusammengestutzt - das trifft jedoch auch auf die Wirtschaftskreisläufe zu, die im Vergleich zu vorherigen Teilen sehr stark beschnitten wurden. Ganze Berufszweige und Warenkreisläufe wurden ersatzlos gestrichen, was zwar dem Spielfluss zugute kommt, wahren Aufbaustrategen jedoch möglicherweise sauer aufstoßen könnte.

"Aufstieg eines Königreichs" bietet zahlreiche Spieloptionen: neben dem Kampagnen-Modus warten Endlosspiel, Online- und LAN-Game. Im Kampagnenmodus warten zunächst zwei oder mehr Ritter in einem Thronsaal und klären den Spieler über die nächste Aufgabe auf. Danach wählt der Gamer einen von ihnen aus, um die Führung des Dorfes zu übernehmen. Mit jedem abgeschlossenen Auftrag innerhalb einer Mission rückt die Beförderung des Ritters näher - ein neuer Titel bringt der Stadt nicht nur einen besseren Ruf ein, sondern zum Beispiel auch neue Gebäudearten. Jeder Held hat spezielle Fähigkeiten, die eher kriegerisch - indem Einheiten gestärkt werden - oder passiv - der Krieger kann zum Beispiel die Einwohner heilen - ausfalllen.

Am Anfang jeder Mission steht der Aufbau der eigenen Stadt, nach dem Briefing ist außerdem klar, in welcher Richtung gefährliche Gesellen lauern und wo ein Dorf Hilfe braucht - einmal fehlen Rohstoffe, ein andermal bedrohen Wikinger die Idylle, dann wieder muss ein Leuchtfeuer entzündet werden, um Schiffe sicher in den Hafen zu geleiten.

Die Missionen sind abwechslungsreich und bringen nicht nur Arbeit, sondern - sofern zur Zufriedenheit erledigt - viele Vorteile für die eigene Stadt: zum Beispiel günstigere Rohstoffe oder Waren, die der Spieler noch nicht selbst produzieren kann. Einziges Problem ist manchmal, aus den knappen Aufträgen herauszulesen, was genau zu tun ist - eine ausführliche Hilfefunktion hätte hier einige Male gute Dienste geleistet.

Wie es den Siedlern geht, ist am Ruf der Stadt ebenso abzulesen wie am Stadtplatz - denn dort demonstrieren sie bei Unzufriedenheit oder weil sie hungern müssen. Letzteres ist unbedingt zu vermeiden, da nach und nach der komplette Wirtschaftskreislauf zusammenbricht und die Mission kaum noch zu retten ist. Neuentwicklungen hingegen, die etwa der Hygiene oder dem Sicherheitsbedürfnis zugute kommen, freuen die Bewohner und sorgen für gute Stimmung.

So weit, so gut, gibt es jedoch auch am sechsten Siedler-Teil einige Kritikpunkte. Unglaublich umständlich ist zum Beispiel der Mauerbau ausgefallen: Auf unebenem Gelände verweigert das Spiel nämlich den Bau. Das macht schon die zweite Mission zu einer nervenaufreibenden Aufgabe - die Hälfte der Siedlung einzureißen ist der letzte Ausweg, um die vermaledeite Mauer doch noch aufstellen zu können. Weniger ärgerlich als schade ist, dass weder die freundlich gesinnten Dorfanführer noch die Gegner wirklich Profil zeigen und so für den Spieler greifbar werden - sie versprühen einen eher spröden Charme, der keine große Freude aufkommen lässt. Dafür hüpft das Siedler-Fanherz beim Anblick der herumwuselnden Bewohner, die nahe wie nie bei ihrer Arbeit beobachtet werden können - wer mag, kann Holzfäller, Seifenmacher oder Wursthersteller auch in der Verfolgerperspektive über die Schulter gucken.

Fazit: Es wuselt wieder bei den Siedlern, und das - auch wegen der dynamischen Wetter- und Jahreszeitensimulation - grafisch ansprechender als je zuvor. Das lebendige Stadtleben samt hungrigen Hunden vor der Fleischerei und geschäftigen Ehefrauen lässt Fanherzen höher schlagen und dank flottem Spielfluss kommt kaum Langeweile auf - viele Aufgaben sind allerdings schlicht zu einfach. Ausführlichere Beschreibungen sowie charakterstärkere Figuren hätten mancher Mission jedoch nicht geschadet. Nichts desto trotz ist "Aufstieg eines Königreichs" gelungene Aufbaustrategie mit enormem Wuselfaktor.

Plattform: PC (getestet)
Publisher: Ubisoft
Krone.at-Wertung: 82%


von Bernadette Geißler

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