"Aftershock" nennt sich die erste von insgesamt sechs Produktionen (von Nebenjobs in der Werbung einmal abgesehen), bei der der bis dato noch unerprobte Stuntfahrer im Karriere-Modus sein Können unter Beweis stellen muss. Der Katastrophenfilm - Ähnlichkeiten zu realen Blockbustern sind rein zufällig - hat es jedoch bereits ganz schön in sich: Ein glühend heiße Lava speiender Vulkan droht eine ganze Stadt zu zerstören. Große Explosionen, umstürzende Bäume, herunterfallende Gesteinsmassen sowie jede Menge Drifts und waghalsige Sprünge bleiben da natürlich nicht aus.
Glücklicherweise steht dem Stunt-Neuling jedoch vor und während jeder Szene ein Stuntkoordinator zur Seite, der ihn mit wichtigen Tipps und Tricks versorgt. Denn es gilt ja nicht nur die Stunts zu meistern, sondern auch das Fahrzeug zu beherrschen - und das variiert von Szene zu Szene. Mal rast man also im flotten Sportwagen der Lava davon, dann versucht man als Teenager auf der Enduro die Oma aus der Waldhütte zu retten, ehe man als Vulkanologe im eher behäbigen Jeep die Stadt vor der Katastrophe zu warnen versucht.
Als ob das nicht schon stressig genug wäre, bringt jede Produktion noch einen weiteren, ganz entscheidenden Haken mit sich: den Zeitplan. Der ist nämlich äußerst eng gestrickt. Da jeder Spezialeffekt perfekt aufeinander abgestimmt sein will, gilt es für den Spieler zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein. Andernfalls ist die Szene am Allerwertesten und nach fünf Patzern und dem obligatorischen "Cut!" muss alles zurück zur Ausgangsposition.
Eine schnelle Reaktionsfähigkeit ist also vonnöten, wenn man in einem Moment noch haarscharf zwischen zwei Autos hindurchfahren soll, nur um dann im nächsten Augenblick unter brennenden Bäumen vorbei mit Hilfe einer Rampe über feurige Lava zu springen, sich bei einer Markierung selbst in Brand zu stecken und dann durch die Erlösung bringende Waschanlage zu düsen. Wer eine Markierung versäumt oder nicht richtig absolviert, durchbricht die so genannte Stuntkette und bekommt somit letzten Endes nicht genügend Punkte, um weitere Events freizuschalten.
Für den Spieler bedeutet das leider eins: Frust. Da bei "Stuntman Ignition" das Trial-And-Error-Prinzip regiert und es leider vor dem Dreh keine Übungsmöglichkeit gibt, heißt es üben, üben und nochmals üben. Allerdings muss man dem Spiel zu Gute halten, dass es ihm durchaus gelingt, den dafür notwendigen Ehrgeiz zu wecken. Vom ersten Moment an schafft das Spiel die nötige Filmatmosphäre. Ob Endzeitdrama, James-Bond-Verschnitt ("Never Kill Me Again") oder "Night Avenger" (Flattermann aus Gotham lässt grüßen): Der Spieler hat wirklich das Gefühl, live und hautnah am Filmset zu sein.
Explosionen erschüttern den Bildschirm, feindliche Hubschrauber kreisen über den Köpfen und aufgebrachte Cops nehmen den Spieler bei heißen Verfolgungsjagden unter Beschuss (natürlich nur Platzpatronen!). Obwohl sich nahezu alles bewegt oder explodiert, läuft "Stuntman Ignition" stabil. Einziger Kritikpunkt: Man selbst hat meist leider viel zu wenig Zeit, um sich am Detailreichtum - den riesigen Feuerbällen, dem netten Schadensmodell oder der famosen Weitsicht - zu erfreuen. Bestnoten gibt es auch für den - ganz im Stile Hollywoods - pompösen Soundtrack sowie die deutsche Sprachausgabe, die mit viel Witz und Ironie die Traumfabrik auf die Schippe nimmt.
Zu guter Letzt kann sich auch der Spielumfang sehen lassen. Neben einem schnellen Spiel, in dem man auf eigene Faust oder unter Anweisung durch die unterschiedlichsten Szenarien fahren darf, um so viele Punkte wie möglich zu sammeln, bietet das Spiel zwei weitere Modi. Der Multiplayer-Modus für bis zu acht Spieler kommt mit drei Spielvarianten (Kulissenkampf bzw -rennen und Stuntturnier) daher, in denen es entweder darum geht, durch Stunts am meisten Punkte zu machen, oder die schnellste Zeit zu fahren.
Mit dem integrierten Editor wird der Spielspaß schließlich längerfristig gesichert. Hier kann nach Herzenslust der eigene Stunt-Parcours gebastelt werden oder eine "Konstrukteurherausforderung" angenommen werden. Unter Zeitdruck gilt es hier die wenigen vorhandenen Requisiten so zu platzieren, dass die vorgegebenen Stunts an Ort und Stelle auch absolviert werden können.
Fazit: Wenn am Ende jede Szene im Kasten ist und man den fertigen Trailer begutachten kann, dann weiß man, wofür man all die Videospiel-Strapazen auf sich genommen hat. Denn "Stuntman Ignition" ist kein Spiel, was man einfach so schnell mal zwischendurch spielt. Szene für Szene will ausführlich geprobt sein, ehe der Regisseur sich zufrieden gibt. Wer nicht den dafür nötigen Ehrgeiz mitbringt, wird von "Stuntman Ignition" schnell gefrustet sein. Alle anderen erwartet ein aufwändig und ansprechend inszeniertes, technisch sehr gutes und umfangreiches Spiel, mit viel Witz und einer erfrischenden Idee.
Plattform: Xbox 360 (getestet), PS3, PS2
Publisher: THQ
Krone.at-Wertung: 82%
von
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