Fr, 17. August 2018

"Ewige Pflanzerei"

31.08.2007 18:12

Die "Undankbare" machte ihn zum Bomben-Mann

Im Wiener Straflandesgericht hat sich am Freitag jener Mann verantworten müssen, der am 9. Mai 2007 mit einer Bombendrohung im "Krone"-Haus Angst und Schrecken verbreitet hatte. Der 57-jährige Pensionist betrat am frühen Morgen das Haus, wollte einen Redakteur sprechen und damit die Rückkehr seiner Adoptivtochter erzwingen. Sollte seinen Forderungen nicht nachgekommen werden, werde er eine in seinem Aktenkoffer mitgeführte Bombe zünden und das Haus in die Luft sprengen, drohte er. Die Verhandlung wurde wegen widersprüchlicher Alkohol-Gutachten vertagt.
Wie sich nun in der Verhandlung herausstellte, waren es familiäre Probleme, die den gebürtigen Niederösterreicher zu dieser "Wahnsinnstat" (Richter Wilhelm Mende) bewogen hatten. Der Pensionist wurde nicht damit fertig, dass seine 24 Jahre alte Adoptivtochter zu Hause ausgezogen war und ein eigenständiges Leben führen wollte. Als sich die junge Frau auch noch verliebte und der 57-Jährige feststellen musste, dass diese Beziehung auf Dauer angelegt war, wurde er regelrecht rabiat: Er trat dem Freund seiner Tochter die Wohnungstüre ein, weil die beiden nicht mit ihm reden wollten.


"Pflanzerei sattgehabt"

In weiterer Folge erwirkte die Frau sogar eine einstweilige Verfügung gegen den Vater, die es diesem untersagte, sich ihr zu nähern und telefonischen Kontakt aufzunehmen. Der 57-Jährige hielt sich nicht daran, suchte die Laborantin an ihrem Arbeitsplatz auf, und als sie nicht mit ihm sprechen wollte, schmiss er voller Zorn ihren Laptop zu Boden. Das war einen Tag, bevor der Pensionist im Pressehaus erschien.


Die dazwischen liegende Nacht habe er Bier trinkend verbracht, erzählte er im Grauen Haus: "Ich habe nachgedacht, was ich machen könnte." Er habe "die ewige Pflanzerei meiner undankbaren Tochter sattgehabt", die einfach nicht mehr mit ihm reden wollte: "Dass sie von einem Tag auf den anderen nicht mit mir sprechen will, ist ganz unverständlich!" Da sei er "auf die Idee mit dem Koffer gekommen".


Wie betrunken war er?

Der Portier im "Krone"-Haus nahm die Bombendrohung natürlich ernst, die der ihm Unbekannte gegen 5.30 Uhr im Foyer ausstieß. Eine Spezialeinheit der Polizei gelangte zwei Stunden später über einen Nebeneingang ins Gebäude, nachdem man mit dem Mann verhandelt und auf seinen Wunsch seine Tochter an den Ort des Geschehens gebracht hatte. Der 57-Jährige wurde überwältigt. Sein Koffer war leer.


Um den Grad der Alkoholisierung zu klären, musste das Verfahren vertagt werden: Während diese in einer Expertise mit 2,5 Promille angegeben wird, was einer vollen Berauschung gleichkäme und bei einer Verurteilung eine Strafmilderung zur Folge hätte, wird der Pensionist in dem anderen Gutachten als zurechnungsfähig zum Tatzeitpunkt eingestuft.


Täter verspricht: Kein Alkohol, kein Kontakt zur Tochter

Der 57-jährige Niederösterreicher, der seit dem Vorfall in U-Haft gesessen war, wurde bis zur nächsten Verhandlung auf freien Fuß gesetzt. Der Richter leistete einem entsprechenden Antrag von Verteidigerin Astrid Wagner Folge, knüpfte dies aber an mehrere Bedingungen: Er nahm dem Mann das Gelöbnis ab, jedweden Kontakt zu seiner Adoptivtochter zu vermeiden. Darüber hinaus musste der Pensionist, den die Anklage schwere Nötigung und Sachbeschädigung vorwirft, versprechen, zukünftig keinen Alkohol mehr zu trinken und sich einer Entzugstherapie zu unterziehen.


Bild: Andi Schiel

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