Herr der Stränge

Jeff Golub: “Grand Central”

Musik
30.04.2007 18:56
Es gibt viele so genannte Gitarrenvirtuosen. Freaks, die Geschwindigkeitsrekorde für Solis brechen und Verstärkeranlagen benützen, die einem mittelgroßen Atomkraftwerk den Saft entziehen könnten. Jeff Golub könnte mit Leichtigkeit auch so einer sein - aber fürs Gitarrewürgen ist der feinfühlige Saitenkünstler viel zu musikalisch unterwegs, wie er auf sein neuen Album "Grand Central" wieder einmal beweist.
kmm

"Grand Central" - benannt nach dem New Yorker Bahnhof, mit 67 Gleisen der größte der Welt - ist Golubs siebentes Solo-Album. Davor hat der 52-jährige Gitarrist unter anderem mit Rod Stewart und Austro-Export Peter Wolf gespielt. Vor allem bei Stewart sorgte Golub für sieben Jahre für den guten Saiten-Ton.

Solo unterscheidet sich das Werk des zweifachen Familienvaters nicht nur genremäßig vom "Job". In den strikt instrumentalen Songs übernimmt nur Golubs Gitarre die Melodiestimme. Die Songs sind für gewöhnlich sehr jazzig, obwohl er bei "Grand Central" eher groovebetont an die Sache herangeht. Golubs eigene Songs wie der Opener "Hello Betty" oder die letzte Nummer "Stuffin' It" stampfen mal shuffelig davon oder klingen clubmäßig, fast schon überrelaxt. 

Auf Komposition wie "Mojito" oder "Shockwave" spielt er auch mit Latin-Grooves - wiederum passend zu New York, dem Multikulti-Meltingpot. Mit von der Party sind nicht nur Tom Pettys Lieblingstrommler Steve Ferrone sondern auch Percussionist Luis Conte, der sich hier mit klarer Handschrift für die Congaschläge auf 4-und verantwortlich zeigt. Zwischendurch kommt Golub auch das eine oder andere extra sahnige Solo aus. Kurz: Auf "Grand Central" geht was ab - nicht nur die Lok...

8 von 10 Saitenkünstler

Christoph Andert

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