Krone.at: Wie kommt man als deutsche Band auf die Idee, irischen Folk-Punk zu machen?
Chris Lennon: Das liegt zum Teil daran, dass meine Eltern aus Irland sind und ich mehr oder weniger auf „Dubliners“-Konzerten großgeworden bin. Und wenn man so direkt dran ist, und wie ich den Punk bereits durchlitten hat, liegt es natürlich nahe soetwas zu machen.
Krone.at: War es schwer, Mitstreiter zu finden? Deine Kollegen sind ja allesamt Deutsche, ne?
Chris Lennon: Ja, die sind aus Deutschland. Das ist auch mit der Grund, warum wir „Mister Irish Bastard“ heißen.
Krone.at: Eine Frage an den Kenner: Was hat Guiness, was kontinentaleuropäische Biere nicht haben?
Chris Lennon: (lacht) Es macht dich wesentlich dicker, weil es viel mehr Kalorien hat. Und es ist schwieriger, es in Massen zu trinken. Es gehört ein geübter Magen und ein geübter Schlund dazu, sehr viel davon runterzukriegen. Es kriegt nämlich so eine bitumenähnliche Konsistenz im Magen, wenn man mehr davon trinkt.
Krone.at: Ihr habt auch eine Frau in eurer Band. Trinkt die mit euch?
Chris Lennon: Ja, absolut. Wir bekehren uns gegenseitig: Wir bringen ihr schlechte Angewohnheiten bei und sie uns gute Angewohnheiten. Wir kamen neulich darauf, was der Unterschied zwischen einer Band ist, wo eine Frau dabei ist, und einer, die kein weibliches Mitglied hat: Wenn du in einer reinen Männerband spielst, musst du an deinem Geburtstag einen Kasten Bier mitnehmen, wenn ’ne Frau dabei ist, kriegst du ein Geburtstagsgeschenk. (lacht) Abgesehen davon, nimmt es in gewisser Weise den Barbarismus aus der Band und macht uns ein bisschen kultivierter. Man benimmt sich mehr als Mensch...
Krone.at: „Fine Irish Drinking Music“ klingt ja ganz lustig – wo hört sich bei euch der Spaß beim Trinken auf?
Chris Lennon: In Deutschland ist dieses so genannte „Flatrate-Saufen“ gerade voll Thema – ich nehme an bei euch auch. Es sind zwei Sachen, die man dazu sagen muss: Dieses Flatrate- oder Koma-Saufen hat jetzt einfach einen Namen gefunden.
Was früher so die 10-Mark-Frei-Saufen-Parties auf dem Lande waren, die es immer gab und immer geben wird, haben im Rahmen dieser Problematik einen Namen bekommen. Ich weiß nicht, ob das ein Problem ist, das schon immer da war und erst jetzt ins öffentliche Interesse geraten ist – ich vermute es aber.
Der Spaß hört einfach da auf, wo man sich selbst und andere in Gefahr bringt. Das ist der wichtigste Punkt. Wir haben im Freundeskreis mehrere Leute gehabt, die durch Unfälle mit Alkohol ums Leben gekommen sind.
„Drink responsibly“ ist auf jedenfall Grundtenor bei uns. Fine Irish Drinking Music ist kein Motivationsaufruf sich bis über beide Ohren zu besaufen – es geht darum, sich einfach ein bisschen Spaß zu gönnen.
Krone.at: Erzähl mir über „The Curse Of The Red-Haired Women“, den Fluch der rothaarigen Frauen - der erste Song auf eurem Album.
Chris Lennon: Der Song ist zunächst einmal ein Beispiel. Jeder hat in seinem Leben mit Sicherheit eine Person, die ihn besonders geprägt hat. In dem Song geht es einfach darum, dass man in einer Situation steckt, in dem man prinzipiell nur das Falsche tun und sagen kann. Und die Gelegenheit, sich zu rächen, wird es erst im Leben danach geben – und das ist halt sehr, sehr unbefriedigend.
Krone.at: Wie lautet dein Lieblingstrinkspruch?
Chris Lennon: (lacht) Cheers, big ears! Also: Prost, große Ohren!
Krone.at: Ich nehme an, der ist irisch?
Chris Lennon: Ja, fast schon mehr englisch. Cheers, big ears ist ziemlich alt und wohl auch schon etwas aus der Mode gekommen. Aber es ist definitv noch einer der Trink-Kalauer.
Krone.at: Ich hab noch ein paar so lockere Fragen: Mit welcher Person würdest du gern auf ein Bier gehen?
Chris Lennon: Auf jedenfall mit George Best – und wenn der keine Zeit hat mit Oscar Wilde!
Krone.at: George Best würde dir ordentlich einheizen!
Chris Lennon: (lacht) Ja, mit Sicherheit! Aber von George Best kannst du eine Menge lernen. Zum Beispiel wie man mit Geld umgeht und wie man interessante Frauen kennenlernt.
Krone.at: Ihr spielt im Mai in Wien. Was sollte man nützlicherweise zu eurem Konzert mitbringen?
Chris Lennon: Also neben guter Laune und Feierstimmung wäre etwas Grünes sehr schön. Ein Fähnchen, ein T-Shirt, einen Schal – Hauptsache grün! Unsere Konzerte sind meistens große Parties.
Krone.at: Würdest du sagen, dass euer Stil eher anspruchsvoll ist? Auf eurem Album begegnet man ja nicht der berühmten Drei-Akkorde-Schrammelei sondern Banjos, Flöten, Fiddel und anderen Instrumenten, die ja doch ein gewisses Talent erfordern.
Chris Lennon: Absolut, absolut! Ich glaube, das unterschätzt man auch oft. Wenn wir im Studio sind und bauen das Gerüst eines Songs auf; zuerst das Schlagzeug, dann die Gitarre, dann der Bass – dann hat das eine Dimension.
Wenn dann aber Banjo, Fiddel, Akkordeon oder auch Thin Whistle dazukommen, kriegt der Song eine komplett andere Form. Das sind Instrumente, die einzeln bisweilen sogar furchtbar klingen können – aber wenn das alles zusammenkommt, ist das ein wunderbares Paket.
Meine Kollegen sind wahnsinnig talentiert und machen das schon seit Jahren und die Erfahrung ist wohl unser größter Vorteil. Ich wage es auch zu behaupten, dass das Irische in unserer Musik tiefer einwoben ist, als anderswo – was die ganze Sache sehr organisch und natürlicher macht.
Krone.at: Hast du schon einmal ein vierblättriges Kleeblatt gefunden?
Chris Lennon: Äh, noch nicht. Ich bin noch auf der Suche...
Krone.at: Vielen Dank für das Interview – wir sehen uns im Mai...
Interview: Christoph Andert
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