Irak-Geisel

Außenamt: Tonaufnahme des Österreichers echt

Österreich
30.12.2006 18:14
Das Außenministerium geht von der Echtheit jener Audioaufnahme aus, in der der im Irak entführte Österreicher Bert Nussbaumer zu hören ist. "Die Tonbandaufnahme ist mit großer Wahrscheinlichkeit authentisch", sagte der stellvertretende Sprecher des Außenamts, Georg Schnetzer, am Samstag. Experten hätten die Stimmen der Geiseln identifiziert.

Schnetzer wies aber darauf hin, dass die Aufnahme "keine Informationen über den Aufenthaltsort und den Zustand" von Nussbaumer und den vier anderen US-amerikanischen Geiseln liefere. Schließlich sei sie schon vor einigen Wochen gemacht worden. Das Außenministerium hatte das Tondokument von Nussbaumers Arbeitgeber Crescent Security Group bekommen und danach von Experten eingehend untersuchen lassen.

Der Diplomat betonte, dass die zuständigen Behörden in enger Kooperation mit ihren internationalen Partnern "rund um die Uhr im Einsatz" seien, um Nussbaumer zu finden, und gehe dabei "allen zweckdienlichen Hinweisen" nach. Insbesondere sei auch schon ein erster Kontakt zu jener amerikanischen Journalistin hergestellt worden, die das angebliche Video mit den fünf Irak-Geiseln gesehen hatte, aber nur eine Tonaufnahme davon anfertigen durfte.

In der Aufnahme sind zunächst zwei der vier amerikanischen Geiseln zu hören, bevor Nussbaumer zu Wort kommt. Er spricht in englischer Sprache, erkennbar mit österreichischem Akzent, folgende Worte (ORF- Übersetzung): "Mein Name ist Bert Nussbaumer. Ich bin 25 Jahre alt, Wien, österreichischer Staatsbürger und ich will (... unverständliche Passage ...) mit meinen Freunden aus dem Irak."

„Obwohl gerüchteweise ein Video aufgetaucht ist, gibt es noch keine gesicherte Nachricht über das Schicksal des im Irak entführten Bert Nussbaumer“, erklärte Außenministerin Ursula Plassnik am Freitag zu den kürzlich bekannt gewordenen Informationen. 

US-Journalistin bekam Video vorgespielt
Die Journalistin Hannah Allam, die für den US-Zeitungsverlag McClatchy im Irak arbeitet und das anderthalbminütige Video von einem anonymen Kontaktmann, der sich anscheinend im Umfeld der Terroristen bewegt, in Bagdad vorgespielt bekam, berichtet relativ detailliert über das Video. Der Österreicher und seine vier amerikanischen Kollegen sollen darauf klar zu erkennen sein. Bert Nussbaumer, John Young, Jonathan Cote, Josh Munz und Paul Reuben wirken in der Videobotschaft den Angaben der Reporterin zufolge wohlauf, sind allerdings gefesselt.

Das anderthalbminütige Video soll eine Folge von kurzen Ausschnitten sein. Jede Geisel identifiziere sich mit Vornamen, Nachnamen und Heimatstadt und komme danach kurz zu Wort. Das ist auch in der Tonaufnahme, die allerdings von sehr schlechter Qualität ist, zu hören. Die Audiodatei fertigte Allam selbst an und übergab sie danach dem Sicherheitsunternehmen Crescent Security Group, bei dem die fünf Entführten angestellt waren. 

Nussbaumer und seine Kollegen wurden am 16. November nahe der kuwaitischen Grenze entführt. Die Personen, die in dem Video zu sehen sind, dürften nach Angaben von Allam Zugang zu Toilettartikel haben. Alle fünf Männer seien rasiert und hätten einigermaßen saubere Kleidung an.

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