Sa, 21. Juli 2018

"Hat provoziert"

15.11.2017 15:37

Nach Messerattacke: Bewährung für Wienerin (18)

Mildes Urteil für eine 18-jährige Wienerin: Die junge Frau ist am Mittwoch von einem Wiener Schwurgericht wegen versuchter schwerer Körperverletzung zu acht Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Sie hatte am 10. Dezember 2016 in Favoriten einem Burschen mit einem Brotmesser in die Brust und zweimal in den Oberarm gestochen. "Mein Plan war nicht, ihn umzubringen", beteuerte die junge Frau, der die Anklage versuchten Mord anlastete.

"Meine Mandantin ist ein ordentliches Mädchen. Sie ist sehr arbeitsam", beschrieb Verteidigerin Romana Zeh-Gindl die positiven Seiten der 18-Jährigen, die als Büroangestellte beschäftigt ist. Andererseits dürfte sie zu Jähzorn neigen und ihre Emotionen nicht ganz im Griff haben, wenn sie Beleidigungen zu hören bekommt.

Geheimnisse ausgeplaudert
Selbiges widerfuhr ihr, als sich die 18-Jährige mit einigen Freundinnen einen netten Abend machen wollte. Eine von ihnen soll im Vorfeld Geheimnisse ihres Ex-Freundes ausgeplaudert haben. Davon erlangte dessen Freundeskreis Kenntnis, was dazu führte, dass die Mädchengruppe mit einem Burschen telefonierte, der ihnen deswegen die Leviten las. Dabei stieß der 19-Jährige Beschimpfungen aus.

In weiterer Folge verabredeten sich die Mädchen gegen 21 Uhr unweit des Reumannplatzes, um die Sache zu bereinigen. Die Angeklagte steckte dazu ein Messer ein, um sich "im Fall des Falles verteidigen zu können". Laut Anklage ging sie allerdings umgehend und gezielt auf den Burschen zu, der zuvor wüst geschimpft hatte. Auf ein aufgebrachtes "Was schimpfst du meine Mutter?" soll sie ihm das Messer in die Brust gestoßen haben. Als der körperlich deutlich überlegene Bursch die 18-Jährige in den Schwitzkasten nahm, kassierte er zwei weitere Stiche, ehe ihr die Waffe zu Boden fiel und zerbrach.

Winterjacke schützte vor schwereren Verletzungen
"Er hat mich wirklich sehr provoziert", gab die Angeklagte zu Protokoll. Sie habe sich bedroht gefühlt: "Damit er mich loslässt, wollte ich ihn verletzen." Sie habe befürchtet, "dass er mir zuvorkommt", und deshalb zugestochen.

Dass er eine Winterjacke und darunter einen dicken Pullover trug, bewahrte den Burschen vor lebensgefährlichen Verletzungen. Der Stich ging nicht tief - vermutlich auch deshalb nicht, weil die zierliche, klein gewachsene 18-Jährige nicht mit der Statur einer Kämpfernatur gesegnet ist. Der Verletzte ließ sich mit einem Taxi ins Spital bringen, während die 18-Jährige ihren Vater anrief und sich auf dessen Rat hin der Polizei stellte.

Wienerin leidet an Angststörung
Die Geschworenen gelangten am Ende zur Überzeugung, dass die 18-Jährige nicht mit Tötungsvorsatz gehandelt hatte. Die Anklage wurde verworfen. Angesichts der besonderen Umstände - der Gerichtsmediziner stufte die Verletzungen als leicht ein, die 18-Jährige weist keine Vorstrafen auf und leidet an einer Angststörung - fand das Schwurgericht mit einer gänzlich bedingten Strafe das Auslangen. Zusätzlich wurde Bewährungshilfe angeordnet und der 18-Jährigen die Weisung erteilt, eine begonnene Psychotherapie fortzusetzen. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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