So, 21. Oktober 2018

Nächtlicher Angriff

07.09.2017 11:22

Israel bombardiert Chemiewaffenfabrik in Syrien

Israelische Kampfflugzeuge haben nach mehreren übereinstimmenden Medienberichten in der Nacht auf Donnerstag eine Waffenfabrik des syrischen Militärs angegriffen, in der unter anderem Fassbomben und auch chemische Waffen hergestellt worden sein dürften. Zudem habe die israelische Luftwaffe einen Konvoi der libanesischen Hisbollah-Miliz ins Visier genommen. Die Hisbollah unterstützt das Regime des syrischen Präsidenten Bashar al-Assad im Kampf gegen Aufständische und die Terrormiliz Islamischer Staat.

Israels Regierung äußerte sich nicht zu dem Angriff, als Bestätigung kann aber ein Kommentar des früheren Chefs des israelischen Militärgeheimdienstes, Amos Yadlin, gewertet werden. Laut seiner Einschätzung galt der Luftschlag einer Chemiewaffenfabrik bei Masyaf in der zentralsyrischen Provinz Hama, "die Chemiewaffen und Fassbomben herstellte, die Tausende syrischer Zivilisten getötet haben", so Amos Yadlin am Donnerstag auf Twitter.

"Moralische Aktion Israels gegen das Schlachten"
Yadlin ist heute Leiter des angesehenen Instituts für Nationale Sicherheitsstudien (INSS) in Tel Aviv. Bei dem Angriff waren zwei syrische Soldaten getötet worden. "Wenn die Attacke von Israel ausgeführt wurde, wäre es eine lobenswerte und moralische Aktion Israels gegen das Schlachten in Syrien", schrieb Yadlin.

Es gibt keine offizielle Bestätigung aus Syrien dafür, dass eine Chemiewaffenfabrik getroffen wurde. Das syrische Militär sprach lediglich vom Bombardement einer Armeebasis. In einer Erklärung hieß es, es handle sich um den "verzweifelten Versuch", die Moral des IS nach den Siegen der syrischen Armee zu heben. Die Armeeführung warnte zugleich vor den Folgen dieser "Aggression".

Israel bereitet sich auf Reaktion der Achse Syrien-Iran-Hisbollah vor
Nach Einschätzung Yadlins lautete die Botschaft der Attacke, dass Israel die Herstellung strategischer Waffen nicht dulden wird und "seine roten Linien ziehen wird, auch wenn die Großmächte sie ignorieren". Nun sei eine Eskalation zu verhindern. Sein Land müsse sich auf eine mögliche Reaktion der Achse Syrien-Iran-Hisbollah und auf russische Proteste einstellen. Israel hält sich weitgehend aus dem Konflikt im Nachbarland heraus, seine Luftwaffe hat jedoch laut Medienberichten mehrmals Waffentransporte an die vom Iran unterstützte Hisbollah angegriffen, die ebenfalls an der Seite der Assad-Truppen kämpft.

UN-Bericht: Assads Luftwaffe für Giftgasangriff verantwortlich
Der Angriff auf die Chemiewaffenfabrik erfolgte nur wenige Stunden, nachdem ein Bericht von UN-Menschenrechtsexperten vorgestellt worden war, der das Regime in Damaskus für einen Sarin-Angriff am 4. April in der Stadt Khan Sheikhoun mit mindestens 83 Toten und fast 300 Verletzten verantwortlich macht.

Die Untersuchungskommission zur Lage der Menschenrechte in Syrien hatte selbst keinen Zugang zu dem Land, Fotos von Bombensplittern, Satellitenaufnahmen und Berichte von Augenzeugen ließen aber auf die Verantwortung Assads schließen, hieß es in dem Bericht. Fotos von dem Luftangriff auf Khan Sheikhoun zeigten Überreste einer chemischen Bombe, wie sie zu Sowjetzeiten üblich war, so die Kommission weiter. Der Sprengsatz wurde nach Angaben der UN-Ermittler von einem Kampfflugzeug des Typs Su-22 abgeworfen, der von der syrischen Luftwaffe eingesetzt wird.

Die Kommission wies Angaben Syriens und der verbündeten Regierung in Russland zurück, das Giftgas sei beim Angriff auf ein Waffenlager der syrischen Opposition ausgetreten. Dafür gebe es keinen Beleg, hieß es in dem Bericht. Dafür fanden die UN-Beauftragten Hinweise auf mindestens 23 weitere Chemiewaffenangriffe in Syrien seit März 2013.

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