Mi, 22. Mai 2019
05.04.2017 17:05

Wutauftritt im ORF

Was war denn da los, Frau Staatssekretärin?

Fast 450.000 Zuseher des ORF-"Report" verfolgten am Dienstag einen bemerkenswerten TV-Auftritt der Kanzleramts-Staatssekretärin Muna Duzdar. Auf die von der Moderatorin in höflicher Sachlichkeit gestellte Frage, wie es die SPÖ-Politikerin mit dem in ihrer Partei umstrittenen "verpflichtenden Integrationsjahr" für Flüchtlinge halte, erwiderte Duzdar in einem Stakkato etwas von "AMS-Maßnahmen immer verpflichtend" - "sieben verschiedene Module" - "ich sage es nochmals und nochmals" ...

Auf zaghafte Versuche der ORF-Moderatorin, mit der einen oder anderen Nachfrage die politischen Zusammenhänge aufzuklären, kam von der Staatssekretärin nur ein: "LASSEN SIE MICH AUSREDEN!" Am Ende des "Report"-Interviews konnte Fragestellerin Susanne Schnabl nur kapitulieren.

In der SPÖ war man wegen des Fernsehauftritts (der Beitrag ist noch sechs Tage in der TVthek des ORF abrufbar) seines Regierungsmitglieds zwar auch irritiert, meinte aber: "Sie hat immerhin unsere Linie gehalten."

In den sozialen Medien wie etwa auf Twitter, einem Kanal, auf dem sich wenige zurückhalten, lauteten die Kommentare: "Na bumm" - "wohl äußerst intensiv gecoacht" - "alles sehr eigenartig".

Im Büro von Staatssekretärin Duzdar sieht man den ungewöhnlichen Wutauftritt der Politikerin naturgemäß differenziert. Auf die Frage, was denn da los war, hieß es von ihrem Sprecher: "Es war ein beherzt und engagiert geführtes Interview ... Dass PolitikerInnen in den sozialen Medien kritisiert werden, ist Teil ihres Berufsalltags."

Claus Pándi, Kronen Zeitung

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